Grevenbroich: Stadt macht Kultur ohne Geld

Grevenbroich : Stadt macht Kultur ohne Geld

Die Stadt hat kein Geld für Theater, Ausstellungen und Konzerte. Trotzdem stellt sie ein ordentliches Programm auf die Beine. Experimente kann sich das Kulturamt aber nicht leisten – das finanzielle Risiko ist zu hoch.

Die Villa Erckens, das Hauptkultur-Zentrum der Stadt, schließt morgen ihre Türen. Bis zum Jahresende wird das Haus zum "Museum der niederrheinischen Seele" umgebaut. "Unserem Kulturprogramm wird das aber nicht schaden", erklärt Dezernent Michael Heesch: "Es läuft vorübergehend anderenorts weiter." Etwa in der Versandhalle, wo künftig Puppenbühnen, Musiker und Künstler ein Stelldichein geben werden.

Heesch hat soeben den Kulturbericht 2010 herausgegeben – und ist zufrieden: "Wir haben rund 35 000 Besucher gezählt. Damit hat – statistisch gesehen – fast jeder zweite Grevenbroicher unser Angebot angenommen." Er hofft, am Ende des Jahres ähnliche Zahlen präsentieren zu können – trotz des seit langem geplanten Museums-Umbaus. Steigerungen konnten 2010 unter anderem die Kabarett-Reihe "Kultur Extra", aber auch die Klassik-Serie "Konzerte im Kloster" verbuchen. Einbrüche gab es hingegen bei den "Bühnenabenden": 273 Theaterbesucher kamen weniger als im Vorjahr. "Darauf werden wir reagieren", betont Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack. Die Strategie der Stadt: Schnupperabos (drei Vorstellungen für 30 Euro), Billig-Eintritt für Schüler und Studenten (fünf Euro) sowie verstärkte Werbung bis hin nach Bedburg, Jüchen und Korschenbroich. Auf die Reihe verzichten will Michael Heesch übrigens auf keinen Fall: "Eine 64 000-Einwohner-Stadt braucht eine Grundversorgung an Theater."

Heesch sagt das vor dem Hintergrund äußerst knapper Kassen. Zwar hat der Kulturbereich einen Etat, jedoch nur für Personal, Strom und Gebäuderhaltung. "Für Veranstaltungen haben wir kein Geld. Was wir anbieten, muss sich durch die Eintrittsgelder zu 100 Prozent einspielen", betont der Dezernent. Der Nachteil: Für Experimente gibt's kaum Platz in Grevenbroich. "Wir müssen marktorientiert sein. Experimentieren wir herum, gehen wir ein finanzielles Risiko ein, das ist gefährlich", meint Michael Heesch. Nichtsdestotrotz startet die Stadt auch hin und wieder einen Versuchsballon – etwa in Form der Internationalen Gitarrenwochen. "Diese Reihe ist erfolgreich. Wäre sie es nicht gewesen, hätten wir sie sofort abgebrochen."

Zufrieden ist Heesch mit dieser Situation nicht: "Es reicht nicht aus, dass die Kultur als Pflichtaufgabe einer Stadt bezeichnet wird. Sie muss auch als solche definiert werden – und es muss irgendwann auch Geld zur Verfügung stehen, damit Kultur umgesetzt werden kann, dass wir gestalten und ein eigenes Profil entwickeln können."

Vor diesem Hintergrund ist der Dezernent froh, dass er ein gutes Team hinter sich hat: "Die Leute um Stefan Pelzer-Florack reißen sich ein Bein aus und sind sehr kreativ. Ohne ihren Einsatz würde vieles hier nicht passieren."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE