Grevenbroich: Stadt lehnt Rotoren an Grenze ab

Grevenbroich: Stadt lehnt Rotoren an Grenze ab

Die Nachbargemeinde Rommerskirchen möchte Windräder an der Grevenbroicher Stadtgrenze errichten - drei Standorte wurden ins Visier genommen. Die Planungsausschuss lehnt alle ab.

Die Gemeinde Rommerskirchen will in ihrem Flächennutzungsplan fünf Konzentrationszonen für Windenergie aufnehmen. Drei von ihnen wurden jetzt vom Grevenbroicher Planungsausschuss kategorisch abgelehnt. Die Begründung: die Standorte liegen zu nahe an der Stadtgrenze.

"Das ist die ,klassische' Vorgehensweise, die schon von anderen Gemeinden praktiziert wurde", erklärt der städtische Dezernent Claus Ropertz: "Sie zielt darauf ab, die mit der Windenergienutzung verbundenen Lasten möglichst auf die Wohnbevölkerung der Nachbargemeinde abzuwälzen." Jüngstes Beispiel ist etwa der große Windpark, den die Stadt Bedburg auf der Königshovener Höhe errichtet hat - weitab von den eigenen Orten, aber in unmittelbarer Nähe von Gindorf und Frimmersdorf.

Die Stadt Grevenbroich hatte schon vor Monaten in ihrer Stellungnahme zum Regionalplan-Entwurf deutlich gemacht, dass sie ihr Soll erfüllt sieht und keine neuen Windparks mehr entwickeln will. Das gilt vor allem für Gebiete, die bisher nicht von Rotoren beeinträchtigt wurden und ihr ursprüngliches Landschaftsbild behalten haben. "Die Entwicklung weiterer Standorte soll in erster Linie an bestehende Windparks anknüpfen", beschreibt Claus Ropertz die Marschrichtung der Schlossstadt. Doch der ständen die Planungen der Gemeinde Rommerskirchen entgegen.

Diese sehen unter anderem einen 36,5 Hektar großen Windpark westlich von Ueckinghoven vor. Das Problem aus Grevenbroicher Sicht: Das Gelände liegt nach Aussage der Stadt näher an Barrenstein als an Rommerskirchener Orten - und darüber hinaus auf einer bislang von Windrädern unberührten Fläche. Zur ablehnenden Haltung der Stadt trägt zudem der Umstand bei, dass Barrenstein in direkter Nachbarschaft zu Industrie- und Gewerbebetrieben liegt, der Ort soll nicht noch zusätzlich durch Immissionen von Windkraftanlagen belastet werden.

Abgelehnt wird auch ein Windpark, der auf einem 23,3 Hektar großen Gelände südwestlich von Vanikum entstehen soll. Das Argument der Stadt: Der geplante Standort liege nicht weit vom Karlshof entfernt, der zu Grevenbroich gehört und durch das nahe gelegene Kraftwerk schon ausreichend belastet sei. Zum anderen würden die in der Nähe liegenden Flächen für industrielle Großvorhaben, die im Zusammenhang mit Strukturwandel im Rheinischen Revier von Bedeutung seien, gegen einen Windpark an dieser Stelle sprechen.

Ein weiteres Vorhaben der Rommerskirchener, das den Bau von Windrädern nördlich von Ramrath vorsieht, wurde von der Stadt ebenfalls abgelehnt. Das nur 9,3 Hektar große Gelände soll an eine Vorrangfläche südlich von Neukirchen anschließen, gegen die sich die Grevenbroicher Planungspolitiker schon vor Monaten ausgesprochen hatten. "Die verbleibende Fläche ist zu klein, um einen Windpark aufnehmen zu können. Auf die Entwicklung soll gänzlich verzichtet werden", empfahl Ropertz dem Gremium.

Der Ausschuss folgte einstimmig dem Vorschlag aus dem Rathaus. Carl Windler von der UWG bedankte sich ausdrücklich dafür, "dass die Verwaltung die Augen offen hält", indem sie die Windpark-Entwicklung an ihren Grenzen aufmerksam verfolgt. Die ablehnende Haltung soll den Nachbarn nun möglichst freundlich erklärt werden, um die interkommunale Zusammenarbeit nicht zu stören.

Die Stadt hatte ursprünglich auch ihr Veto gegen den neuen Bedburger Windpark eingelegt.

(NGZ)
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