1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Stadt Grevenbroich will Grün statt Schotter in Vorgärten

Gartengestaltung in Grevenbroich : Die Stadt will mehr Grün in den Vorgärten

Auf Wunsch der Politik hat die Verwaltung Möglichkeiten geprüft, wie einer „Verschotterung“ von Gärten Einhalt geboten werden kann. Eine Lösung sieht sie in den Bebauungsplänen, für existierende Gärten gelte Bestandsschutz.

Großflächig Kies und Schotter in allen denkbaren Grautönen – nur ein, zwei Schalen mit Grünem sorgen für wenig Abwechslung in der Tristess: Zunehmend  werden Vorgärten auch in Grevenbroich zu „Steinwüsten“ umgestaltet, weil deren Pflege einfacher ist. Dieser Trend ruft die Politik auf den Plan: CDU, SPD, Grüne und Mein Grevenbroich fordern, dass der Versiegelung von Vorgärten möglichst Einhalt geboten werden soll. Am Dienstag, 7. Mai, befasst sich der Planungsausschuss mit dem Thema. „Vegetationsreiche Vorgärten tragen zu einem besseren Stadtklima bei, was angesichts des Klimawandels von wachsender Bedeutung ist“, erklären etwa die Grünen in ihrem Antrag. Zudem würden solche Gärten für „viele Insekten und Vögel“ ein Refugium sein.

Doch flächendeckend die „Verschotterung“ zu untersagen, ist nicht möglich. Das Ziel ist nur in kleinen Schritten zu erreichen, wie im Rathaus ermittelt wurde. „Wir haben auf Wunsch aus der Politik geprüft, welche Möglichkeiten bestehen, versiegelte Flächen in Vorgärten zu beschränken  und naturnahe Gestaltung zu fördern“, erklärt Stadtsprecher Stephan Renner. Denkbar sei etwa eine Gestaltungssatzung, doch aus Sicht der Verwaltung ist „es schwer, eine Satzung zu verwirklichen, die bei einem Rechtsstreit Bestand hätte“, sagt Renner.

  • Schwalmtal : Schwalmtaler sollen ihre Vorgärten mit Grün statt Schotter gestalten
  • Nettetal : Grüne wollen bunte Gärten statt Schotter
  • Mehr Grün im Vorgarten lockt Marienkäfer
    Gegen die Verödung : Naturschutzbeirat spricht sich für grüne Vorgärten aus

Die Verwaltung empfiehlt „in zu überplanenden Gebieten mit Bebauungsplanverfahren  Festsetzungen zur Vorgartengestaltung beziehungsweise zur Begrünung der Vorgärten zu treffen“, erläutert Beigeordneter Florian Herpel. Kaarst und Bottrop etwa seien diesen Weg gegangen. Für Grevenbroich macht die Verwaltung einen Formulierungsvorschlag. Vorgärten seien „unversiegelt anzulegen und zu bepflanzen. Die Bepflanzung ist dauerhaft zu erhalten.“ Eine Versiegelung der Vorgärten sowie die „flächige Belegung mit Kies, Schotter, Steinmaterial“  sollen „unzulässig“ sein –  mit Ausnahme von notwendigen Stellplätzen, Garagenzufahrten, Wegen zum Eingang. Der Anteil der Stellplatzfläche solle 50 Prozent der gesamten  Vorgartenfläche nicht übersteigen. Klar ist aber, dass solche Vorgaben nur bei neuen B-Plänen oder bei Änderung von bestehenden greifen. „Ein Bebauungsplan für das gesamte Stadtgebiet ist nicht möglich“, betont Renner. Zudem genießen existierende Gärten Bestandsschutz.

Die Verwaltung empfiehlt zudem eine Bauberatung vor der Baugenehmigung, um Eigentümer für das Thema zu sensibilisieren.  „Außerdem hoffen wir, dass über die aktuelle Diskussion das Bewusstsein in der Bevölkerung dafür geschärft wird, dass ein blühender Vorgarten etwas Tolles ist“, erklärt Renner.

CDU, SPD, Grüne und Mein Grevenbroich sind mit dem vorgeschlagenen Weg über die B-Pläne einverstanden. „Das ist ein Ansatz, mit dem man arbeiten kann“, sagt Dieter Dorok (Grüne). Die CDU lehnt die empfohlene 50 Prozent-Regelung für Stellplatzflächen ab. „Man kann Grundstücke mit kleinen und mit großen Vorgärten nicht gleich behandeln“, sagt Fraktionschef Wolfgang Kaiser.  Wenn durch eine 50-Prozent-Quote auf einer kleinen Fläche kein Stellplatz möglich sei, „dann erhöht das den Parkdruck im öffentlichen Raum“.

Die Verwaltung weist darauf hin, dass eine Regelung zur Einschränkung versiegelter Flächen mehr Aufwand bedeute, für Kontrollen mehr Personal nötig sei. Das sieht Holger Holzgräber (SPD) anders: „Wenn man einmal im Jahr die Quartiere abfährt, wird man Veränderungen schnell erkennen.“