Stadt Grevenbroich leidet unter Personalmangel

Viele Mitarbeiter verlassen die Stadtverwaltung Grevenbroich : Rathaus leidet unter Personalmangel

In der Verwaltung herrscht Personalmangel – und das bekommen mittlerweile die Bürger zu spüren, manche Öffnungs- und Sprechzeiten werden eingeschränkt. In diesem Jahr wechseln 25 Mitarbeiter zu anderen Arbeitgebern.

Die Sprechzeiten der Bauaufsicht, in der unter anderem Bauanträge eingereicht werden, ist vorübergehend von drei auf einen Tag in der Woche reduziert. Der Grund: personelle Engpässe. Aus dem selben Grund öffnet das Bürgerbüro seit März samstags nur noch am zweiten und vierten Wochenende im Monat. Und die Gewerbemeldestelle bleibt zurzeit donnerstagnachmittags zu – krankheitsbedingt. Die Stadtverwaltung leidet unter Personalmangel, das bekommen auch Bürger zu spüren. Öffnungs- und Sprechzeiten werden eingeschränkt.

Personaldezernent Claus Ropertz muss an mehreren Stellen auf Engpässe reagieren. Etliche Mitarbeiter kehren der Verwaltung den Rücken, wechseln die Stelle. „25 Mitarbeiter haben oder werden uns 2018 verlassen“, erläutert Ropertz. Auch in anderen Behörden bestehe großer Personalbedarf, die Stadt steht in Konkurrenz etwa mit Ministerien oder Bezirksregierungen. „Ein Grund für die Wechsel ist, dass Mitarbeiter in größeren Behörden bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sehen“, sagt Ropertz. Doch oft gibt es mehrere Gründe.

„Die Arbeitsverdichtung wird deutlich wahrgenommen.“ Einen „Sonderfall“ nennt Ropertz den Wechsel von drei Kollegen nach Jüchen, das 2019 Stadt wird. „Es hat seinen Reiz, Neues aufzubauen.“ Auch bei der Feuerwehr ist die Fluktuation groß: Laut Ropertz hat etwa ein Dutzend Hauptamtler angekündigt, sich anderswo zu bewerben. „Wir sehen das mit äußerster Besorgnis. Wir stehen in extremer Konkurrenz – größere Wehren können andere Perspektiven bieten.“

Ein generelles Problem: „Die Stadtverwaltung befindet sich im Umbruch, nach und nach gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand“, sagt Claus Ropertz. Das gleiche gelte für andere Kommunen. Eine Folge: „Früher suchten wir uns die neuen Mitarbeiter aus, heute suchen sich Bewerber den Arbeitsplatz aus“, sagt Ropertz. „Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir für Bewerber attraktiv sind.“ Bei einem Treffen mit Führungsvorgesetzten im Dezember soll es um Lösungen gehen. Laut Ropertz geht der Weg hin zur Flexibilisierung der Arbeit. „Wir wollen mehr Stellen in Teilzeit anbieten, oder Mitarbeiter können künftig einen Teil der Arbeit zu Hause erledigen.“ Als weitere Möglichkeit, neue Bedienstete zu gewinnen, nennt Ropertz die Einstellung von Mitarbeiter mit verwaltungsfremden Berufen – „die dann für ihre neuen Aufgaben qualifiziert werden“. Auch Überlegungen für eine Betriebs-Kita wurden bereits angestellt.

Der Engpass im Bürgerbüro soll bald behoben sein. Die Stadt ging auf Personalsuche, unter den 300 Bewerbern waren viele ohne Verwaltungserfahrung. Sechs neue Kollegen werden zunächst auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Im ersten Quartal 2019 soll die Samstags-Einschränkung aufgehoben werden. Zudem ist ein Dienstleistungsabend donnerstags bis 19 Uhr vorgesehen. Den Beschluss dafür fasste der Stadtrat bereits 2017.

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