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Grevenbroich: Stadt erbt Uhlhorns Möbel

Grevenbroich : Stadt erbt Uhlhorns Möbel

Die Stadt hat Möbel geerbt – und zwar ganz besondere. Sie stammen aus dem Besitz von Diedrich Uhlhorn, dem Erfinder der Münzprägemaschine. Darunter auch ein Sessel, auf dem einst Johannes Brahms gesessen haben soll.

1943: Bomben fallen auf Wuppertal, das Haus der Familie Wegener wird in Schutt und Asche gelegt. Sie sucht Zuflucht bei einem nahen Verwandten in Grevenbroich, dem Stadtbaumeister Josef Decker.

"Wir lebten eine Zeit lang bei meinem Onkel und mieteten später ein Haus, das auf der Schanze lag", erinnert sich Norbert Wegener (81), der damals 13 Jahre alt war. Weil ihr ganzes Hab und Gut in der Bombennacht vernichtet wurde, erwarb die Wuppertaler Familie für 400 Mark das Mobiliar ihrer neuen Unterkunft – und das waren Möbel mit Geschichte.

Das Haus gehörte nämlich Maria-Helena Uhlhorn, einem im September 1943 verstorbenen Spross aus der Familie des Erfinders Diedrich Uhlhorn, der es mit seinen Münzprägemaschinen zu Weltruhm brachte. "Die Uhlhorns hatten große, schwere Möbel, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammten – für die Ewigkeit gebaut", erzählt Norbert Wegener.

Bis heute blieben sie im Familienbesitz. Zuletzt standen sie in der Wohnung von Wegeners Bruder Bruno, der Pfarrer in Unkel und Köln war. Er starb im Frühjahr und hat die Möbel über eine testamentarische Verfügung der Stadt Grevenbroich vermacht.

"Dafür sind wir sehr denkbar", sagt Thomas Wolff vom städtischen Kulturteam: Denn die hohen Schränke, der große Tisch, die historische Pendeluhr, ein Original-Bild des Malers Karl Oberbach und andere Gegenstände sind Zeugen, die den Wohlstand einer Industriellen-Familie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentieren. "Wir werden sie in unsere Sammlung aufnehmen, weil ihre ursprünglichen Besitzer im engen Zusammenhang mit der Stadtgeschichte standen", meint Wolf.

Um einen Sessel rankt sich eine besondere Geschichte: Auf ihm soll der Komponist Johannes Brahms gesessen haben, als er in Grevenbroich zu Gast war. "Das hat uns damals Maria-Helena Uhlhorn kurz vor ihrem Tode erzählt", erinnert sich Norbert Wegener.

Belegt ist das allerdings nicht: "Möglicherweise handelt es sich dabei auch um so etwas wie eine Sage", meint Norbert Wolf. Tatsache ist aber: Im Hause der Familie des Notars Vinzenz von Zuccalmaglio, die 1871 durch Heirat mit den Uhlhorns verschmolz, gingen bekannte Persönlichkeiten ein und aus – etwa die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm.

"Die Möbel sind noch in einem recht guten Zustand", erklärt Thomas Wolff. Ein Teil von ihnen wurde bereits in den vergangenen Jahren bei den Ausstellungen "Zuccalmaglio" (2004) und "Rheinsichten" (2006) im Haus Hartmann und im Museum Villa Erckens ausgestellt. Für Wolf steht fest: "Das Mobiliar ist eine ausgezeichnete Ergänzung unseres Sammlungsbestandes zur Grevenbroicher Industriegeschichte. Denn sie ist untrennbar mit Diedrich Uhlhorn verbunden."

(NGZ)