Grevenbroich: Stadt denkt über Privatisierung nach

Grevenbroich: Stadt denkt über Privatisierung nach

Bürgermeister Klaus Krützen lässt prüfen, ob Teilaufgaben der Verwaltung privatisiert werden können - etwa die Verkehrsüberwachung. Zur Übergabe des Schneckenhauses an einen Träger gab es Gespräche mit der Kreisjägerschaft.

Wie kann die Stadtverwaltung ihre Personalkosten von aktuell 35,4 Millionen Euro senken? Dieser Frage geht die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) nach. Im Auftrag der Stadt und finanziell gefördert vom Land lotet sie aus, welche Konsolidierungspotenziale in einer interkommunalen Zusammenarbeit stecken. Parallel dazu laufen im Rathaus weitere Aktivitäten zur Kostensenkung. Bürgermeister Klaus Krützen lässt prüfen, ob Teilaufgaben der Verwaltung privatisiert werden können.

Das Ganze stehe noch am Anfang, nur wenig sei spruchreif, sagt Krützen in Sachen Privatisierung. Die grobe Marschrichtung des Bürgermeisters: Er will untersuchen lassen, welche Aufgaben die Kommune gegebenenfalls an andere Dienstleister abgeben kann. Es gebe mehrere Überlegungen, betont Krützen, nicht alle könne er zurzeit öffentlich nennen. Eine ziele aber in Richtung der städtischen Verkehrsüberwachung ab. Es soll geprüft werden, ob dieser Bereich gegebenenfalls in die Hände eines externen Anbieters gelegt werden kann. Bestenfalls verbunden mit einer effektiveren Arbeit, was Krützen so aber nicht bestätigen will. Dem Vernehmen nach sollen die vier "Verkehrsüberwacher" nicht zu jeder Zeit zur Verfügung stehen.

Eine weitere Überlegung geht in Richtung Schneckenhaus. "Wir denken darüber nach, das Umweltzentrum in die Hände eines Trägers zu legen", sagt der Verwaltungschef. Es habe bereits Gespräche mit Interessenten gegeben, konkret mit der Kreisjägerschaft Neuss. "Da besteht durchaus ein wechselseitiges Interesse", bestätigt deren Vorsitzender Peter Kallen. Vorstellbar sei etwa, verschiedene, der Natur nahe stehende Verbände und Vereine am Rande des Bends zu bündeln, um dort ein "Zentrum des Naturschutzes" zu betreiben. "Das wäre ganz sicher ein interessantes Projekt", sagt Peter Kallen. Dieses sei allerdings - wenn überhaupt - nur mittel- bis langfristig denkbar. Bislang sei etwa nicht klar, welche Kosten mit einer Übernahme verbunden sein werden.

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Mit dem Projekt "Interkommunale Zusammenarbeit" sei die Stadt mit Unterstützung der GPA in den vergangenen Wochen ein gutes Stück weitergekommen, berichtet der Bürgermeister. "Es hat zwar Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber jetzt bin ich optimistisch, dass im Mai, spätestens im Juli brauchbare Ergebnisse vorgelegt werden können". Gemeinsam mit Vertretern des Rhein-Kreises, der Städte Neuss und Dormagen sowie der Gemeinde Rommerskirchen seien unter anderem mögliche Kooperationen in den Bereichen Recht und Ordnung, Personalabrechnung, Revision, Archiv, Vergabe, Vollstreckung und Druckdienste besprochen worden.

Es gebe aber noch weitere mögliche Handlungsfelder, sagt Krützen - etwa bei der Pflege von Sportplätzen oder bei der Zusammenarbeit von Schulverwaltungen oder Volkshochschulen. "Auf Dauer werden wir gemeinsam noch andere Potenziale heben können", zeigt sich Krützen zuversichtlich - und er nennt Beispiele: "Gemeinsame Baubetriebshöfe, Jugend- und Sportämter. Darüber darf ruhig diskutiert werden, wenn man Synergien nutzen möchte. Nicht jede Kommune muss einen Fuhrpark zur Pflege von Kunstrasenplätzen bereithalten, und das Personal muss nicht überall doppelt und dreifach vorhanden sein."

Ziel der Interkommunalen Zusammenarbeit sei es, einen Korridor zu öffnen, der perspektivisch zu einer Reduzierung des Personals führen soll - und natürlich zu Einsparungen. Wie hoch diese ausfallen werden, lasse sich zurzeit noch nicht abschätzen.

(NGZ)