St. Sebastianus Hülchrath bekommt im Herbst eine neue Orgel.

Neues Instrument wird in Hellenthal gebaut : Orgel für St. Sebastianus in Hülchrath nimmt Formen an

Läuft alles glatt, wird die neue Orgel im Herbst geliefert. Dann erfolgt die Intonation.

„Wir sahen neben dem Gerüst wirklich sehr klein aus“, sagt Peter Lys über den Ausflug in die Eifel. Dorthin waren er und elf weitere Mitstreiter aus der Kirchengemeinde Hülchrath gereist, um sich anzusehen, welchen Fortschritt die Arbeiten am neuen Musikinstrument machen. „Das schaut alles schon gut aus“, bilanzierte Lys zufrieden.

St. Sebastianus bekommt eine neue Orgel. Sie wird derzeit gefertigt. Ihre Grundfläche beträgt etwa 20 Quadratmeter. Foto: Frank Weimbs

Das neue Instrument wird derzeit bei den Orgelbaumeistern Friedbert und Frank Weimbs gefertigt. „Seine Grundfläche misst etwa 20 Quadratmeter“, erklärt Friedbert Weimbs. Darin untergebracht werden 16 Register. Jedes Register ist ungefähr 150 Kilogramm schwer. Kein Wunder also, dass sich die Besucher als Hülchrath neben dem großen Gerüst wie Zwerge vorkamen.

Aus vielen Pfeifen,wie diesen Prospektpfeifen, entstehen Register. Foto: Frank Weimbs/Frank weimbs

„In knapp zwei Monaten können wir liefern“, sagt der Orgelbaumeister über einen Termin im Herbst. Die Montage dauert dann etwa drei Wochen, anschließend wird die Intonation vorgenommen. „In meinem Alter krieche ich dafür nicht mehr selbst durch die Pfeifen“, spielt Weimbs Senior auf seine knapp 71 Lebensjahre an. Dafür wird Intonateur Jochen Breuer sämtliche Register ziehen. Diese klangfarbliche Feinabstimmung dauert ungefähr vier Wochen. Dann ist das imposante Instrument zur Hörprobe bereit.

In knapp zwei Monaten wird die Orgel nach Hülchrath gebracht. Foto: Frank Weimbs

„Jede Orgel ist ein Individuum und einzigartig“, erklärt Friedbert Weimbs über dieses klangvolle Unikat, das nicht „irgendwas ist, sondern über Generationen hält“. Jede Orgel sei anders, denn jede Anforderung durch den Organisten, klimatische Verhältnisse der Kirche und ihr Raumvolumen sowie Wünsche und Bedingungen seien in der Planung und beim Bau zu berücksichtigen.

Im Fall St. Sebastianus ist die Vorgeschichte lang, einen ersten Kontakt gab es, als das „in die Jahre gekommene“ Vorgängerinstrument nach einem Gutachten und auf Wunsch des Kirchenvorstandes ausgetauscht werden sollte. „Die alte Orgel war abgespielt“, fasst es Weimbs zusammen. Das war 2005. Dann folgten Ideen, Projektskizzen mit vielen Registern, fehlendes Geld und deshalb abgespeckte Versionen mit weniger Registern, wechselnde Organisten und 2017 dann die Beauftragung zum Neubau. „Entscheidend ist immer das Geld“, zieht der Orgelbaumeister, dessen Firma kunstvolle Klangwerke bis nach Norwegen und Tokio liefert, nüchtern Bilanz. Im Falle der für St. Sebastianus geplanten Orgel sind es nun also 16 Register, wovon noch ein „Register fehlt, weil es noch finanziert werden muss“, wie Peter Lys sagt. „Die Technik dafür ist vorbereitet“, eklärt Weimbs.

50.000 Euro müssen Peter Lys und die Mitstreiter vom Orgelbauverein St. Sebastianus Hülchrath fürs letzte Register finanzieren. „Bislang haben wir beim Erzbistum Köln einen Kredit“, der soll so schnell wie möglich getilgt werden. Sonst könne nichts Neues in der Kirche gemacht werden, wie Lys ausführt. Wie in der Vergangenheit setzen die fleißigen Sammler, die bisher 130.000 Euro für das bislang 170.000 Euro teure Instrument rekrutieren konnten – weitere 40.000 Euro gab das Erzbistum Köln – auf die Gebefreudigkeit ihrer Mitmenschen. „Das ist uns ja manchmal selbst schon peinlich“, sagt Lys – und setzt nicht allein auf Geldspenden, es werden weiterhin Veranstaltungen organisiert.

So soll es im September einen Mundart-Abend geben. Eingeladen ist dazu der in Neuss-Grimlinghausen lebende Autor Willi Könen. Rund um dessen Gedichte und Aphorismen „Us em Läve jejreffe“ intonieren Peter Lys und Mit-Musiker Heiteres.

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