St. Elisabeth-Krankenhaus in Grevenbroich rettet ein neunjähriges Kind aus Afghanistan

Ärztlicher Einsatz : Grevenbroicher Ärzte retten Bein eines afghanischen Kindes

Dank des Einsatzes der Unfallorthopäden im Elisabeth-Krankenhaus hat Safi (9) aus Afghanistan wieder eine Chance auf gesunde Beine.

() Im Bett hält es Safi nie lange. Viel lieber ist der zierliche Neunjährige mit seinem Kinderrollstuhl im Krankenhaus unterwegs. Mal schaut er in der Cafeteria vorbei, mal legt er vor den Kunstwerken in der Halle einen Stopp ein, mal saust er ums Karree, um frische Luft. zu schnappen. Über die Aktivitäten des Jungen freut sich das komplette Team. Denn als der Junge aus Afghanistan Ende August von der Hilfsorganisation Friedensdorf International eingeflogen.wurde, war er eins von 90 Kindern, die dringend medizinische Versorgung brauchten.

Durch einen damals nicht verheilten Bruch war Safis linkes Bein zehn Zentimeter kürzer als das rechte, der Oberschenkel völlig deformiert In der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses nahmen sich Oberärztin Dr. Claudia Esser zusammen mit ihrem Oberarztkollegen Martinus Bressers der komplizierten Beinverletzung an. Neunjährigen an. Seit seiner Ankunft in Grevenbroich vor etwa fünf Wochen waren bereits zwei operative Eingriffe notwendig. Seine Aussichten, eines Tages auf zwei gesunden, gleich langen Beinen durchs Leben zu gehen, beurteilt seine behandelnde Ärztin als „durchaus gut. Doch der Weg dahin ist lang“, wagt die die Unfallorthopädin Claudia Esser eine vage Prognose. Befunde wie der von Safi kommen der erfahrenen Ärztin nicht oft unter: „Der linke Oberschenkelknochen ist völlig deformiert und vernarbt und das linke Bein um etwa zehn Zentimeter kürzer als das rechte gesunde Bein“, fasst sie zusammen. Was genau geschehen ist, ließ sich bisher nicht ermitteln. Eine Kriegsverletzung, betont sie, war nicht die Ursache. „Soweit wir erfahren konnten, hat Safi sich vor etwa anderthalb Jahren beim Ballspielen verletzt“, berichtet die Ärztin, was in Erfahrung gebracht werden konnte. Der Knochenbruch war zwar bereits in Afghanistan mehrfach operiert worden, allerdings niemals korrekt ausgeheilt – wohl möglich auch, weil es an entsprechenden Medikamenten oder Materialien fehlte. Bei der ersten Untersuchung im Grevenbroicher Krankenhaus war Safis Bein mit einem sogenannten Fixateur externe versorgt, einem äußeren Spanner aus Metall, der nach Einschätzung der hiesigen Ärzte jedoch längere Zeit schon nicht mehr ärztlich kontrolliert worden war.

Vor drei Wochen musste der tapfere Junge die erste umfassende Operation über sich ergehen lassen. „Wir mussten fast den gesamten Oberschenkel aufschneiden, um abgestorbenes, nicht durchblutetes Knochengewebe zu entfernen“, erklärt die Ärztin den Eingriff. Der anfängliche Verdacht auf eine Infektion, die eine Ursache für die verzögerte Heilung hätte sein können, bestätigte sich glücklicherweise nicht: Keime wurden in den Gewebe-Proben nicht gefunden. Vor wenigen Tagen konnte die Operateurin darum bei einem kleineren Eingriff die Antibiotikakette wieder entfernen. Die bange Frage ist jetzt, ob der stark zerstörte Oberschenkelknochen wieder heilen und so weit zusammenwachsen wird, dass Safi ein normales Leben führen kann?

Zunächst gilt es abzuwarten. „Wenn die Heilung einsetzt, können wir versuchen, den Knochen mithilfe des neu angelegten Fixateurs an der Außenseite des Oberschenkels zu dehnen, um eine Verlängerung des Beines zu erzielen“, erläutert die Ärztin, „dazu muss der Spanner, der mit dem Knochen verbunden ist, täglich neu justiert werden.“ Sollte der Heilungsprozess nur ungenügend verlaufen, haben die Ärzte noch die Option, dem Jungen bei einer weiteren Operation körpereigenes oder gespendetes Knochenmaterial in den Oberschenkel einzubauen. Außer Gefecht gesetzt hat die massive Verletzung Safi auch in Sachen Schulbesuch. Zunächst aber wird der unternehmungslustige Junge für einige Wochen ins Friedensdorf nach Oberhausen zurückkehren. Mit der Hilfsorganisation kooperiert das Kreiskrankenhaus Grevenbroich St. Elisabeth seit vielen Jahren. Rund zwei Dutzend verletzte oder kranke Mädchen und Jungen aus Krisen- und Kriegsgebieten wurden im Laufe der Jahre an die Klinik in der Schlossstadt vermittelt und hier erfolgreich behandelt.

„Ich freue mich, dass die Geschäftsführung auch in diesem Jahr wieder die Erlaubnis erteilt hat, ein Kind aufzunehmen“, sagt Prof. Dr. Lothar Köhler, Chefarzt der Chirurgie und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Denn die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH übernimmt die Kosten für die medizinische Behandlung des Jungen. Darüber hinaus gehende notwendige medizinische Hilfsmittel, die möglicherweise dauerhaft benötigt werden, werden zumeist über Spenden finanziert. „Da hat uns beispielsweise die evangelische Kirchengemeinde schon wiederholt tatkräftig unterstützt“, freut sich der Professor über Zuwendungen.

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