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Sprengung im Tagebau Garzweiler: Schaufelradbagger geht in die Knie

Mit 41 Kilogramm Sprengstoff : Riesiger Bagger im Tagebau Garzweiler gesprengt

Tagebau Garzweiler sprengt 2,2 Kilotonnen schweren Schaufelradbagger

Nach einem lauten Knall am Freitag war Schaufelradbagger 271 im Tagebau Garzweiler Geschichte: Der Koloss aus Stahl ist gesprengt worden. RWE hatte das Großgerät bereits vor zehn Jahren in „Rente“ geschickt. Unser Video zeigt die Sprengung.

Um 14.58 Uhr wollte Michael Schneider nicht mehr länger warten. Die Fotografen hatten ihre Objektive längst in Richtung Bagger gerichtet, Vögel waren durch einen Knall vorab schon verscheucht worden. Da gab der Chef der Spreng-Truppe schon zwei Minuten früher per Funk das „Go“. Drei, zwei, eins: Mit einem Ruck flammten Blitze zwischen den Stahlstreben auf, mit kurzer Verzögerung schallte ein gewaltiger Knall durch den Tagebau Garzweiler. 41 Kilogramm Sprengstoff ließen den Schaufelradbagger 271 am Freitag in wenigen Sekunden in sich
zusammensacken.

Ein paar Augenblicke später, als sich der Rauch gelegt hatte, zog es Michael Schneider zu seinem „Objekt“. Doch schon aus der Ferne konnte er erkennen: der Schaufelrad-Arm, das Heck, die Beladeanlage – alle Trümmerteile lagen so, wie sie liegen sollten. Alles ist glatt gelaufen. Der „riesen Rums“, den Schneider zuvor angekündigt hatte, brachte alle 153 Einzelladungen am Bagger zur Zündung.

Eine Woche lang hatten der „Liesegang“-Sprengtechniker und sein Team die Zündung vorbereitet und akribisch die Stellen präpariert, an denen der explosive Stoff „Linear Cutter“ den Stahl „schneiden“ sollte. Mit Erfolg. Aber die Spreng-Experten sind nicht zum ersten Mal in einem Tagebau gewesen. „Für uns sind solche Baggersprengungen kein Neuland, aber in jedem Fall etwas Besonderes“, sagte Sprenger Yannik Fischer, der auch dabei war, als 2020 im Tagbau Hambach ein ähnliches Großgerät in die Knie gezwungen wurde.

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Der jetzt gesprengte Bagger 271 im Tagebau Garzweiler war bereits vor zehn Jahren stillgelegt worden, weil er nicht mehr benötigt wurde. Zuletzt diente der Bagger als riesiger Ersatzteilspender – unter anderem für sein Schwestergerät, das bis vor Kurzem im Tagebau Inden im Einsatz war. Kaum einem anderen XXL-Bagger dürften die Grevenbroicher aber in den vergangenen Jahren so nah gekommen sein: Denn der „Zwoeinundsiebzig“ war auch ein Anschauungsobjekt, durch das Besucher ein Gefühl für die Dimension der Bagger im Tagebau bekommen sollten. Tatsächlich handelte es sich bei dem Bagger, der 1958 im damaligen Tagebau Frimmersdorf in Betrieb genommen worden war, um den kleinsten im Abbaufeld: 37 Meter hoch, 125 Meter lang und rund 3216 Tonnen schwer.

Vor dem großen Knall am Freitag hat der stählerne Riese sein Gewicht noch um fast ein Drittel reduzieren müssen. „Die Schaufeln und Teile des Fahrwerks sind in den vergangenen Monaten ausgebaut worden“, sagte RWE-Projektingenieur Lars Freiboth. Auch einige Elektro-Komponenten, die es nicht mehr gibt, werden nun auf Reserve gehalten. Ob sie jemals wieder zum Einsatz kommen, bleibt offen. Ohne Sprengung, erklärte Freiboth, hätte sich der Bagger wegen der Stahlseil-Konstruktion in luftiger Höhe nur mit großem Aufwand demontieren lassen. Die Akteure entschieden sich für die schnellere Variante. Den Termin für die Sprengung hielten sie streng unter Verschluss.

Die Tagebau-Mitarbeiter wurden erst am Freitagmorgen offiziell über den genauen Zeitpunkt der Sprengung informiert. Von der Nummer 271, die auch ein Zeugnis des Wirtschaftswunders war, dürften sich aber viele bereits vor einiger Zeit verabschiedet haben, blieben die Vorbereitungen an dem Koloss doch nicht gänzlich unbemerkt. Die Trümmerteile werden nun vom Leverkusener Recycling-Unternehmen Bender verschrottet. Das dürfte einige Monate dauern.

„Der Trennungsschmerz ist begrenzt“, sagte Tagebau-Chef Markus Kosma: „Der Bagger stand ja schon einige Zeit am Rand und war im Weg. Die Rekultivierung schreitet voran, der Platz wird gebraucht.“ Aber ganz so leicht fiel der Abschied auch nicht. „Es ist schließlich das Werkzeug des Bergmannes“, betonte Kosma, der mit Blick auf das Ende der Braunkohleförderung im Rheinischen Revier von einer Überkapazität bei den Großgeräten sprach. Weitere Sprengungen werden in den nächsten Jahren folgen.

Derzeit sind im Tagebau Garzweiler sechs Schaufelradbagger für Abraum und Kohle im Einsatz, darüber hinaus schütten sechs Absetzer Erdmassen am „ausgekohlten“ Ende der Grube wieder auf.