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Spiritueller Zwischenruf Grevenbroich: Geschenke, Zeit und Vertrauen

Spiritueller Zwischenruf aus Grevenbroich : Geschenke, Zeit und Vertrauen

Zum Jahreswechsel hat sich Menschheit ein großes Geschenk gemacht; den Impfstoff, der nicht nur einen selbst schützt – sondern auch andere. Nun müssen Fragen dazu sorgfältig beantwortet werden.

Jetzt sind wieder die Paketboten im Dauereinsatz. Viele Weihnachtsgeschenke werden umgetauscht. Sie werden wegen der geschlossenen Geschäfte per Post zurückgeschickt. Gleichzeitig werden Gutscheine eingelöst. Wir leben nicht nur von dem, was wir schon haben und unbedingt brauchen, sondern auch von dem, was wir uns wünschen und was wir bekommen.

In der Nacht vom letzten Donnerstag auf Freitag machten sich die Menschen ein großes Geschenk bewusst. Einmal im Jahr – zu Silvester – wird uns allen kollektiv klar: das Leben ist Geschenk. Das neue Jahr wird uns gegeben, ohne dass wir uns dafür anzustrengen brauchen – das ist die gute Nachricht. Wir können es jedoch nicht umtauschen, wenn es uns nicht gefällt – das ist die schlechte Nachricht. Wir müssen es nehmen, wie es ist – das ist die Realität. Und wir können etwas daraus machen – das sagt mir meine christliche Überzeugung.

Kurz vor Weihnachten erhielten wir in diesem Jahr eine einmalige Geschenkzusage. Der neue Impfstoff ist da. Und während alle gespannt auf den Moment des Impfbeginns warteten, wurde im Hintergrund unter Hochdruck gearbeitet, um den Impfstoff zu produzieren und eine Transport- und Verteillogistik aufzubauen. Es ist wie beim richtigen Weihnachtsfest: Während die einen mit den Vorbereitungen beschäftigt sind, warten die anderen ungeduldig auf die Bescherung und freuen sich am Ende vielleicht noch nicht einmal über die Geschenke.

Der Impfstoff gegen das Coronavirus ist das große Geschenk, das sich die Menschheit für das neue Jahr selbst gemacht hat. Und es wird diesem Geschenk ergehen wie allen Geschenken: Es kann in großer Freude angenommen werden oder vielleicht aus quälender Notwendigkeit heraus. Es kann dankend oder sogar verächtlich abgelehnt werden. Es kann geschätzt oder diffamiert werden.

Eines sollten wir bei diesem außergewöhnlichen Geschenk nicht vergessen: Der Impfstoff ist uns nicht nur für uns selbst gegeben, sondern auch für die anderen. Indem ich mich auf ihn einlasse, tue ich nicht nur mir etwas Gutes, sondern trage zum Schutz meiner Mitmenschen bei. Dieses Geschenk schenkt mir und den anderen Lebenszeit. Allein darum sollten wir es annehmen, wie wir das neue Jahr begrüßt haben.

Natürlich muss man bei der Annahme von Geschenken vorsichtig sein. Das lernt man schon als Kind beim Umgang mit Fremden und als Erwachsener beim Zusammentreffen mit Vertretern. Deshalb ist es richtig, dass die aufkommenden Fragen zum Impfstoff genau und ehrlich beantwortet werden. Um das Geschenk dann anzunehmen, muss jedoch zunächst der Empfangende etwas schenken: Vertrauen. Dann wird er sich auf das Geschenk einlassen können.

Das ist vielleicht die größte Herausforderung für das neue Jahr: Wir haben erlebt, dass wir Menschen viel Gutes machen können. Wir haben aber auch gesehen, dass wir eins nicht machen können, was aber immer mehr zu schwinden droht: Vertrauen. Wir können daran arbeiten, dass wir selbst vertrauenswürdig werden und dass wir lernen, anderen zu vertrauen. P. Bruno Robeck Ocist