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Grevenbroich: Speed-Dating mit jungen Flüchtlingen

Grevenbroich : Speed-Dating mit jungen Flüchtlingen

Niklas-Max Thönneßen von "Recht auf Spiel" hat die "Redezeit" entwickelt: Flüchtlinge und Bürger sollen ins Gespräch kommen.

Speed-Dating ist inzwischen vielen bekannt. Angelehnt an das Konzept, innerhalb kürzester Zeit mit einer soeben noch unbekannten Person in Kontakt zu kommen, hat Niklas-Max Thönneßen jetzt zusammen mit Sarah Kelm und Thaer Maeni die "Redezeit" entwickelt. Die Idee dahinter ist, Einheimische mit Geflüchteten ins Gespräch zu bringen. Letztlich sei es ein Beitrag, Willkommenskultur nicht bloß theoretisch zu zitieren, sondern praktisch zu leben.

Niklas-Max Thönneßen, der Empirische Bildungsforschung studierte und als Organisator der Initiative "Recht auf Spiel" bereits für die Einbindung von Flüchtlingen in die Gesellschaft aktiv ist, will mit diesem Begegnungsmodell Lebenswelten durchbrechen. "Letztlich ist doch jeder in seiner eigenen Blase unterwegs", sagt er über die Milieus, aus denen "sich viele nur schlecht herausbewegen". Gleichzeitig sei das Thema Flüchtlinge ein allgegenwärtig in der Gesellschaft kontrovers debattierter Dauerbrenner. "Aber anstelle mit Geflüchteten zu sprechen, wird meist über sie gesprochen. Das bringt nichts." Um "Ängste zu nehmen und Vorurteilen zu begegnen", entwickelten er und die anderen "Recht auf Spiel"-Mitmachenden das "Redezeit"-Kommunikationsmodell, bei dem Bürger der Stadt mit Flüchtlingen an einen Tisch kommen und innerhalb einer definierten Zeit, nämlich fünf Minuten, miteinander sprechen. "Die Zeit ist knapp, der Zeitdruck ist gut, so gibt es kein Geplänkel."

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Als Eisbrecher kommen Themenkärtchen auf die Tische, Einstiegsformulierungen könnten " Ich habe hier einen Lieblingsort. . .", "Wenn ich an die Schule denke. . ." oder "Das sind typische Dinge aus meiner Heimat" lauten. Eine gemeinsame Sprache zu finden, sei "unproblematisch, zur Not geht auch mal was mit Händen und Füßen", wichtige Vokabeln können rasch mit der Übersetzungshilfe im Mobilfunktelefon nachgeschlagen werden, meint Thönneßen. Nach 45 Minuten des schnellen Abklopfens ist ein Gespräch in großer Runde angedacht - ganz ohne Zeitlimit.

Als erster Austragungsort wurde für Sonntag, 27. Mai, 12 Uhr, Gabriele Gertoberens' "Fräuleinswunder" ausgewählt. "Ich finde das Konzept gut und die Idee interessant", berichtet die Gastronomin. Weitere Termine sind in Planung, beispielsweise im Gustorfer "Erlenhof" (4. Juli) sowie "Alt-Orken" (13. Juli), künftig soll es kreuz und quer durch alle Stadtteile gehen - auch dorthin, wo Flüchtlinge möglicherweise mit Ressentiments zu kämpfen haben. "Letztlich geht es um Transparenz und Neugierde zu wecken - oder bisher gemachte Vorstellungen neu zu hinterfragen", sagt Niklas-Max Tönneßen.

Von der Idee des miteinander-in-Kontakt-kommens ist Thaer Maeni angetan. Er lebt nach seiner Flucht aus Syrien seit mittlerweile drei Jahren in Deutschland und weiß, dass im Miteinander von manchem Einheimischen und Geflüchteten sprichwörtlich noch "Luft nach oben ist". "Toll, dass es das jetzt gibt", sagt der angehende Elektrotechnik-Azubi.

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