1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: SPD will auch Mehrheit im Rat

Grevenbroich : SPD will auch Mehrheit im Rat

Das Wahlergebnis für Rainer Thiel beflügelt die Grevenbroicher SPD: Sie macht mobil für die Kommunalwahl 2014. Bürgermeisterin Ursula Kwasny appelliert an die CDU: Das schlechte Wahlergebnis war ein Warnsignal.

Nach einer durchfeierten Nacht hat er am Morgen erst einmal die Zeitung aufgeschlagen: "Um nachzulesen, ob das auch alles stimmt, was da am Sonntag passiert ist", sagt Rainer Thiel, und dabei lächelt er. Dass er den Wahlkreis 45 direkt geholt und für die SPD in den Landtag einziehen wird, konnte der 60-Jährige "am Tag danach" noch immer nicht so ganz glauben: "Das muss erst noch richtig bei mir ankommen", gibt er zu.

Heute beginnt der erste Arbeitstag für den neuen Landtagsabgeordneten: Um 9 Uhr nimmt Rainer Thiel am Treffen der Niederrhein-SPD teil, zwei Stunden später kommt die Gesamtfraktion zusammen: "Dann wird der Fahrplan für die nächsten Wochen besprochen." Wo im Landtagsgebäude künftig sein Büro zu finden sein wird, weiß Thiel noch nicht: "Da wird sich aber was Passendes finden, darüber mache ich mir keine Sorgen", meint er.

Was ihn freut: sein Wahlergebnis in Grevenbroich — schließlich hat er 25 Jahre in der Schlossstadt gelebt, bevor er im vergangenen Jahr nach Dormagen zog. "Der Wahlausgang ist eine große Ermunterung für die SPD", erklärt Thiel — und er ist sich sicher: "Die Grevenbroicher wollen, dass die Sozialdemokraten wieder mehr Verantwortung übernehmen." Die Ratsfraktion sieht das genauso: "Das Ergebnis lässt für die Zukunft hoffen", sagt Vorsitzender Horst Gerbrand. Und sein Vize Klaus Krützen wird deutlich: "Unser Ziel ist, auch bei der Kommunalwahl 2014 klare Verhältnisse zu schaffen — zu unseren Gunsten." Im Land beklagte die CDU Verluste von 8,3 Prozent, in Grevenbroich verlor die Union sogar 10,4 Prozent der Stimmen — ein großer Teil ging an SPD, Piraten und FDP (siehe Grafik oben). Herbe Verluste erlitten die Christdemokraten vor allem im Süden der Stadt: in Frimmersdorf ging es 14,2 Prozent, in Neurath 10,2 Prozent in den Keller. Ein Warnschuss?

Ja, sagt Bürgermeisterin Ursula Kwasny: "Ich sehe das Wahlergebnis als ein Signal. Wir müssen nun die Ärmel hochkrempeln und gegen diesen Trend arbeiten." Kwasnys Ansage: Die Union müsse verstärkt Themen besetzen, "die den Menschen am Herzen liegen" — etwa Bildung, Jugend und Familie.

Nicht geteilt wird diese Einschätzung vom Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzenden Norbert Gand. Er führt das schlechte Abschneiden der CDU "auf den Landestrend" zurück: "Wir haben vor Ort gemeinsam mit Ursula Kwasny eine gute Arbeit gemacht, auf die wir aufbauen werden", sagt Gand. Seine Meinung: 2014 werde die Union in Grevenbroich noch zulegen.

Der CDU-Kandidat Wiljo Wimmer kündigte gestern an, in fünf Jahren nicht mehr für den Landtag kandidieren zu wollen. In Dormagen habe er mehr, in Grevenbroich etwas weniger bewegen können: "Das Ergebnis darf nicht so einfach abgehakt werden. In einer Analyse müssen wir sehen, was vor Ort nicht so gut gelaufen ist". Der Rechtsanwalt geht jetzt wieder seiner gewohnten Arbeit nach: "Prozesse gewinnen und verlieren — für mich ist das Alltagsbrot und von der Struktur her ähnlich wie bei einer Wahl."

(NGZ/url)