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Grevenbroich: SPD: Stadt soll Finanzamt kaufen

Grevenbroich : SPD: Stadt soll Finanzamt kaufen

Seit etwa einem Jahr steht das alte Finanzamt an der Erckensstraße leer. Die SPD fordert die Stadt nun auf, das große Bürogebäude zu erwerben. Sie verspricht sich davon Impulse für die Entwicklung des Bahnhofsviertels.

Seit mehr als einem Jahr steht es bei "Immobilien-Scout 24" im Internet zum Verkauf: Rund 1,6 Millionen Euro verlangt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes für das ehemalige Finanzamt an der Erckensstraße. Obwohl es bereits im April 2011 bezogen werden konnte, hat sich bislang noch kein Käufer für das 1960 errichtete Bürohaus mit 3160 Quadratmetern Nutzfläche gefunden.

In einem Antrag für die morgige Ratssitzung schlägt die SPD vor: Die Stadt soll das Gebäude erwerben. Grevenbroich hat ein Haushaltsdefizit von 55 Millionen Euro und darf keine (freiwilligen) Ausgaben ohne Genehmigung des Landrates tätigen. Vor diesem Hintergrund appelliert Horst Gerbrand an die Verwaltung, die Gespräche mit dem Rhein-Kreis aufzunehmen.

"Ziel dieser Verhandlungen sollte es sein, das ehemalige Finanzamt zu kaufen", meint der SPD-Fraktionschef. Nach dem Erwerb sollte die Stadt die Immobilie dann zeitnah weiterveräußern oder vermieten. Der Bürokomplex steht im Zentrum des Bahnhofsviertels, das in den nächsten Jahren mit Hilfe eines Entwicklungskonzeptes komplett neu gestaltet werden soll.

"Es ist daher unabdingbar, dass wichtige Immobilien und Grundstücke in den Besitz der Stadt übergehen", argumentiert Horst Gerbrand: "Damit bleibt die Gestaltungs-Gewalt in unserer Hand — wir können Fehlentwicklungen vorbeugen." Die bereits vom BLB verkaufte Finanzamts-Zweigstelle an der Bahnstraße sorgt bereits seit Wochen für Gesprächsstoff.

Nachdem bekannt wurde, dass dort ein "Medizinisches Versorgungszentrum" mit einem Schwerpunkt auf Suchterkrankungen einziehen soll, wurde eine Bürgerinitiative gegründet. Sie wendet sich gegen dieses Projekt. "Bevor das Kind noch einmal in den Brunnen fällt, sollte gehandelt werden", meint Martina Suermann. Die SPD-Ratsfrau ist überzeugt: "Wenn die Stadt die Verwendung des Gebäudes maßgeblich beeinflusst, ist das für die Zukunft des Bahnhofsviertels von existenzieller Bedeutung."

Andersherum befürchtet Suermann eine Fehlentwicklung: "Würde das Haus falsch genutzt, könnten davon massive negative Impulse ausgehen." Dass solche Aktionen gelingen, zeige der Verkauf der Grundstücke entlang der Merkatorstraße: "Nachdem die Stadt diese Flächen von der Bahn erwerben konnte, werden sie nun erfolgreich vermarktet — auch im Sinne der Stadtgestaltung", so Martina Suermann. Sollte der Landrat dem Kauf des Finanzamtes nicht zustimmen, hat die SPD einen "Plan B": "Dann muss die Bürgermeisterin Gespräche mit dem BLB führen, um Einschränkungen für weitere Nutzungen des Gebäudes zu verhandeln."

(rc)