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Grevenbroich: SPD-Schelte für das Stadtmarketing

Grevenbroich : SPD-Schelte für das Stadtmarketing

Die Ein-Mann-Abteilung des Stadtmarketings steht in der Kritik der Sozialdemokraten. Die Fraktion vermisst jegliche strategische Ausrichtung, zudem fehle es an kompetenter Führung. Die Bürgermeisterin sieht das anders.

Die SPD stellt dem Stadtmarketing denkbar schlechte Noten aus. "Das ist mittelmäßiges Veranstaltungs-Management", wertete Martina Suermann in der jüngsten Ratssitzung. Ihr Urteil: Die direkt der Bürgermeisterin unterstellte Abteilung der städtischen Wirtschaftsförderung fehle jegliche strategische Ausrichtung. "Es gibt kein Konzept, das auch nur andeutet, wie unsere Stadt in Zukunft nach vorne gebracht werden soll", wetterte die Ratsfrau.

Die SPD hatte die Bürgermeisterin im März aufgefordert, dezidiert über Schwerpunkte, Projekte und Arbeitsergebnisse des Stadtmarketings zu berichten. Die Vorlage, die dem Rat jetzt auf den Tisch gelegt wurde, konnte die Fraktion jedoch nicht überzeugen. Auf acht Seiten wurden größtenteils Veranstaltungen aufgelistet, die vom Stadtmarketingbeauftragten Robert Jordan initiiert oder begleitet wurden.

"Das kann nicht sein: Wer die Charity-Gala ,Schnee-Ball', die Veranstaltungsreihe ,Stadtservice', den ,Evita Beach' und die Netzwerktreffen als Alleinstellungsmerkmale für Grevenbroich hervorhebt, weiß mit diesem Begriff nichts anzufangen", erklärte Suermann nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung: "Das zeigt uns, dass diese Abteilung in den falschen Händen ist. Hier wird lediglich der Missstand verwaltet." Die SPD erwarte vom Marketing eine Analyse über die Stärken und Schwächen der Stadt — sie wolle wissen, wo Grevenbroich gut ist und wo nachgesteuert werden muss.

Da sich der Wettbewerb der Mittelstädte um Neubürger und Firmenansiedlungen verschärfe, sei es wichtig, auch die sogenannten "weichen Standortfaktoren" einer Stadt positiv herauszustellen, meint SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand. Wer sich für Grevenbroich entscheiden wolle, müsse wissen, ob attraktive Wohngebiete, Schulen sowie Erholungs-, Kultur-, Freizeit-, Einkaufs- und Vergnügungsangebote vorhanden seien. "Dies muss aus unserer Sicht ein Schwerpunkt eines qualifizierten Stadtmarketings sein", meint er.

"Das Problem ist, dass es dem Stadtmarketing und auch der Wirtschaftsförderung an einer fachkompetenten Führung fehlt", betont Martina Suermann. Sie sieht hier vor allem die Bürgermeisterin als Chefin des dreiköpfigen Teams in der Pflicht: "Als oberste Wirtschaftsförderin der Stadt muss sie für Personal sorgen, dass sich als Dienstleister für die Bürger und die Unternehmen der Stadt stark macht — das agiert und nicht nur reagiert."

Bürgermeisterin Ursula Kwasny nahm die SPD-Schelte im Rat gelassen entgegen. "Der Wahlkampf hat begonnen", kommentierte sie trocken. Die Kritik am Stadtmarketingbeauftragten Robert Jordan will sie jedoch nicht gelten lassen. "Für die geringe Ausstattung, die er hat, macht er eine sehr gute Arbeit. Events wie der Schnee-Ball oder die Netzwerktreffen sind eine Bereicherung für die Stadt", meinte sie.

Auch die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung würden laut Kwasny eine saubere Arbeit abliefern. "Wir haben gemeinsam in den vergangenen Jahren viel erreicht und zahlreiche Unternehmen in unserem Stadtgebiet ansiedeln können", so die Verwaltungschefin. Die Leistungs- und Erfolgsbilanz dieser Abteilung werde sie in der nächsten Ratssitzung nachliefern. "Warten Sie mal ab", meinte Kwasny mit Blick auf die Reihen der SPD.

(NGZ/EW)