Grevenbroich: SPD ruft zu Protest gegen Konverter auf

Grevenbroich: SPD ruft zu Protest gegen Konverter auf

Die Sozialdemokraten wollen gegen den geplanten Konverter am alten Kraftwerksstandort Frimmersdorf/Neurath kämpfen. Sie hoffen auf Hilfe von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Für Reiner Priggen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, ist der Strom-Konverter auf dem Kraftwerksgelände in Neurath/Frimmersdorf eine gute Idee. Nicht so für die Grevenbroicher SPD. Sie will jetzt eine große Protestwelle ins Rollen bringen.

"Es kann nicht sein, dass wir erneut mit einem solchen Projekt belastet werden", sagt Daniel Rinkert, SPD-Stadtverbands-Chef. Das rheinische Braunkohlerevier sei keine menschenleere Landschaft, die man auswählen könne, weil es am zunächst ausgewählten Standort Meerbusch Proteste gebe. Bürgermeisterin Ursula Kwasny teilt Rinkerts Empörung, will sich am Protest beteiligen: "Ein Konverter ist nicht das, was Grevenbroich braucht — ganz im Gegenteil." Jetzt sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Landeschefin Hannelore Kraft um Hilfe gebeten werden.

Die Firma Amprion hatte zunächst einen Stromumwandler in Meerbusch-Osterath geplant — Widerstand, die Gründung einer "Initiative gegen den Doppelkonverter" und Demonstrationen ließen dort nicht lange auf sich warten. Reiner Priggen hatte als Alternative den Kraftwerksstandort ins Gespräch gebracht. Sein Argument: Statt nahe eines dicht besiedelten Gebiets wie in Meerbusch sollten "vorhandene großtechnische Standorte" wie am Kraftwerk Frimmersdorf/Neurath genutzt werden. Für Daniel Rinkert eine einseitige Perspektive: "Frimmersdorf und Gustorf würden nahe am Konverter liegen — näher als Osterath."

Auch der gesamte Grevenbroicher Stadtrat hat diese Bau-Pläne mit einer Resolution abgelehnt. Warum auch die Bürgermeisterin strikt dagegen ist: "Diese Fläche ist in allen Plänen so ausgewiesen, dass dort neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen könnten — etwa für den Bereich regenerative Energien." Dazu müssten noch Gespräche mit RWE geführt werden. Würde dort aber ein Konverter realisiert, gäbe es nur eine überschaubare Anzahl von neuen Jobs. Auch steuerliche Einnahmen könnte sich die Bürgermeisterin für diese Fläche dann abschminken. "Damit würden wir ein großes Areal weit unter Wert verschwenden. Das können wir uns als Nothaushaltskommune überhaupt nicht erlauben", so die Verwaltungs-Chefin.

Auch für Daniel Rinkert sowie viele Einwohner aus Frimmersdorf und Neurath ist die Zeit des Abwartens verstrichen. "Wenn wir jetzt nicht handeln, dann haben wir sonst bald das Nachsehen", fürchtet er. Er habe bereits mit vielen Bürgern gesprochen, die über die erneute Belastung durch die Konverter-Pläne entrüstet seien. Nun soll ein bürgerschaftlicher Protest "ohne die Form einer Bürgerinitiative" organisiert werden: "Das ist ein Thema nicht nur für Frimmersdorf und Neurath, sondern für ganz Grevenbroich."

Was jetzt geschehen soll: "Wir wollen einen Termin für einen Informationsabend abstimmen, um möglichst viele Bürger die Situation erläutern zu können", sagt Daniel Rinkert. Nach der Bürgerversammlung sollen Unterstützer auf unterschiedlichen politischen Ebenen gewonnen werden: "Wir wollen an die Bundeskanzlerin, an den Umweltminister, an die NRW-Ministerpräsidentin schreiben."

(NGZ/ac)
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