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Sommerleseclub in Grevenbroich: Kinder lesen dem Lesehund Quedo vor

Sommerleseclub in Grevenbroich : Kinder lesen Hund Quedo vor

„Lesehund“ Quedo war am Donnerstag ein ganz besonderer Gast in der Stadtbücherei. Im Rahmen des Sommerleseclubs lauschte der ausgebildete Therapiehund den Schulkindern beim Vorlesen ihres liebsten Buches.

Kein Verbessern, kein Kichern oder Unterbrechen: Wenn Kinder dem Therapiehund Quedo vorlesen, dann liegt oder sitzt er einfach nur da. Mit seiner entspannten Art beruhigt er die Kleinen schenkt ihnen Nähe und neues Selbstbewusstsein. Am Donnerstag durften sechs junge Besucher im Rahmen des Sommerleseclubs den Golden Retriever kennenlernen und ihm, in aller Ruhe, ohne andere Zuhörer, vorlesen.

 Finja und Catharina Flöck mit Lesehund Quedo und dessen Besitzer Stefan Knobel beim Vorlesen in der Stadtbücherei Grevenbroich
Finja und Catharina Flöck mit Lesehund Quedo und dessen Besitzer Stefan Knobel beim Vorlesen in der Stadtbücherei Grevenbroich Foto: Andreas Woitschützke

„In diesem Jahr sind beim Projekt Sommerleseclub verstärkt Veranstaltungen geplant“, sagt Elke Wowra, Leiterin der Stadtbücherei Grevenbroich. „Ein Lesehund ist mal etwas ganz Neues und wir freuen uns, dass die Resonanz so gut ist.“ Im Juni war Quedo schon einmal da. „Es gab jeweils sechs Termine, alle waren ausgebucht“, sagt Elke Wowra weiter.

Viele Kinder im ersten und zweiten Schuljahr haben noch Schwierigkeiten beim Vorlesen, weiß der Diplom-Sozialpädagoge Stefan Knobel, geprüfter Therapiehundeführer und Besitzer von Quedo. „Wenn sie in der Klasse laut lesen müssen und dabei gekichert oder korrigiert wird, ist das oft demotivierend. Wenn sie vor Quedo lesen, gibt es keine anderen Zuhörer und niemanden, der sie verbessert“.

Die sieben Jahre alte Finja Flöck hat einen Termin am Donnerstag ergattert. Mitgebracht hat sie das Buch „Ponyhof Liliengrün“. „Das Buch habe ich ausgesucht, weil ich es geschenkt bekommen und noch nicht gelesen habe“, sagt sie. Am tollsten findet sie, dass man den Hund streicheln kann und dass er einfach nur zuhört, während sie vorliest.

Therapiehund Quedo und Stefan Knobel, der aus Grevenbroich stammt und jetzt in Düsesldorf lebt, bilden zusammen das „Therapiehundeteam“.  Gemeinsam besuchen sie regelmäßig die Palliativmedizin an der Uniklinik Düsseldorf, das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland und Seniorenheime. „Quedo strahlt Nähe und Wärme aus“, sagt Knobel. „Er bringt Abwechslung in den Alltag und zaubert beispielsweise Demenzerkrankten ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie merken, dass er auf sie reagiert“. Zum Lesehund wurde der Golden Retriever durch Zufall. „Die Stadtbücherei in Bilk hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal angefragt“, sagt der Hundebesitzer. „Zusammen haben wir zehn Einheiten umgesetzt.“ In den USA und Schweden sei das Konzept des Lesehundes schon länger bekannt, in Deutschland noch selten, weiß Knobel. „Manche Kinder fragen mich, ob Quedo denn vorlesen kann,“ erzählt er. „Aber natürlich geht es darum, dass die Kinder ihm vorlesen.“

In den 20 Minuten mit Quedo können die Kinder entscheiden, ob der Hund etwas Abstand halten soll oder ob er bei ihnen liegen darf. „Der Körperkontakt, seine Wärme und die Atmung sorgen dafür, dass die Kinder ruhiger werden“, sagt Knobel. Auch Quedo freut sich über den Kontakt, ist dem Menschen zugewandt. Da er sehr stressresistent und schon etwas älter und ruhiger ist, eignet er sich besonders als Lesehund. Knobel hat die Erfahrung gemacht, dass die Kinder nach mehren Einheiten flüssiger lesen. „Das können wir mit einem einmaligen Treffen natürlich nicht erreichen“, sagt er. „Aber vielleicht können wir die Lust am Lesen wecken und die Kinder lesen künftig ihrem eigenen Hund vor.“

Finja, die zu Hause bereits viel und gerne, aber nur für sich liest, kann sich vorstellen „Buddy“, dem Hund der Familie vorzulesen. „Falls er dann nicht wegläuft“, meint sie und lacht.