Grevenbroich: Sollen Senioren zur Fahrtauglichkeitsprüfung?

Grevenbroich : Sollen Senioren zur Fahrtauglichkeitsprüfung?

Die Fahrtauglichkeit kann im Alter oder durch Erkrankungen nachlassen. Experten sehen den "Führerschein auf Lebenszeit" daher kritisch. Zwar prüfen Tests die Fahrtüchtigkeit – aber diese sind in der Regel freiwillig.

Die Fahrtauglichkeit kann im Alter oder durch Erkrankungen nachlassen. Experten sehen den "Führerschein auf Lebenszeit" daher kritisch. Zwar prüfen Tests die Fahrtüchtigkeit — aber diese sind in der Regel freiwillig.

Es ist der Verzicht, der möglicherweise am schwersten fällt: Das Auto für immer stehen zu lassen und den Führerschein abzugeben, weil man sich nicht mehr für fahrtüchtig hält — das erfordert eine Menge Disziplin. Denn das Auto ist mehr als ein Verkehrsmittel: Es ist Status-Symbol und steht für Unabhängigkeit. Wer seinen Führerschein abgibt, muss Einschränkungen in Kauf nehmen und auf Annehmlichkeiten verzichten. Gerade ältere Autofahrer stehen oft vor der Frage, wie sicher sie sich eigentlich noch im Straßenverkehr fühlen.

Mediziner Peter Cremerius weiß, dass es Fälle gibt, bei denen es vernünftig wäre, den Führerschein abzugeben — zum Beispiel nach einem Schlaganfall. "Das allerdings gestehen sich Betroffene kaum ein. Da ist Überzeugungsarbeit gefragt, vor allem von Familienangehörigen." Der Arzt befürwortet daher durchaus einen Gesundheits-Check für Autofahrer. Aber: Dieser Test müsse standardisiert, einfach und transparent sein, und er müsse klare Richtlinien haben und von einer unabhängigen Stelle angeboten werden. "Außerdem dürfte der Minimalstandard nicht zu hoch angesetzt werden", meint Cremerius. Keineswegs dürfe es darum gehen, älteren Pkw-Fahrern leichtfertig die Fahrtüchtigkeit abzusprechen. Im Gegenteil: Es solle eine Schutzmaßnahme sein, um auf mögliche Schwächen beim Autofahren hinzuweisen. Solche Schwächen können im Straßenverkehr zur Gefahr werden.

Bislang beruhen solche Tests auf Freiwilligkeit. Gesetzlich verbindlich wird es erst, wenn ein älterer Fahrer im Straßenverkehr negativ aufgefallen ist. Dann droht eine Einberufung zum Amtsarzt. Dieser bewertet dann die Fahrtüchtigkeit, es droht der Führerscheinentzug. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zur eigenen Sicherheit vorzubeugen: Neben dem so genannten Wiener Testverfahren, das Fahrschulen zur Einschätzung des Fahrvermögens anbieten (NGZ berichtete), gibt es auch Angebote vom ADAC.

Jacqueline Grünewald, Sprecherin des ADAC Nordrhein, verweist auf den "Fahrer-Fitnesss-Check", der in Kooperation mit Fahrschulen angeboten wird. Nach einer 45-minütigen Testfahrt mit einem Fahrlehrer gibt es ein Nachgespräch, in dem mögliche Maßnahmen empfohlen werden. "Es kann sein, dass der Fahrlehrer zum Beispiel von Fahrten bei Dunkelheit abrät, wenn er entsprechende Schwächen ausgemacht hat", sagt Grünewald. Test-Kosten: 49 Euro für ADAC-Mitglieder, 69 Euro für Nicht-Mitglieder. Die Konsequenzen aus dem "Fahrer-Fitness-Check" muss jeder Teilnehmer selbst ziehen.

Der Test wird ebenso vertraulich behandelt wie das Wiener Testverfahren. Ebenso wie Mediziner Peter Cremerius mahnt Jacqueline Grünewald an, dass jeder Pkw-Fahrer seine Fitness im Straßenverkehr selbstkritisch beobachten soll.

(NGZ)
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