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Grevenbroich: So wird Fasten zum Gewinn

Grevenbroich : So wird Fasten zum Gewinn

Jugendreferent Christian Jung (26) aus Grevenbroich sagt, was Fasten für Jugendliche bedeuten kann – und warum der bewusste Verzicht auch zum Gewinn für den Fastenden werden kann.

Fasten: Nur für Großeltern ein Thema oder für Jugendliche? Der Grevenbroicher Christian Jung (26), Jugendreferent der katholischen Kirche, weiß, was Jugendliche denken – und sagt, warum er Fasten als Gewinn sieht.

Herr Jung, heute beginnt die Fastenzeit. Können Jugendliche nach Ihrer Erfahrung mit Verzicht aus christlicher Überzeugung etwas anfangen?

Christian Jung Mit der christlichen Überzeugung ist das natürlich so eine Sache. Was den Jugendlichen im Elternhaus nicht vermittelt wird, müssen sie sich andernorts aneignen. Die christlichen Aspekte stehen da nicht direkt vorne. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Jugendliche sich immer mal in Verzicht oder innerer Einkehr üben. Denn die Fastenzeit ist ja nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern auch eine Zeit der Einkehr und bewussten Auseinandersetzung mit der Lebenssituation. Die heutige Jugend bringt dies nicht zwingend mit Fasten zusammen, dennoch übt sie sich sehr wohl in der inneren Einkehr und praktiziert immer mal wieder eine Konzentration auf den eigenen Lebensweg und die sie umgebenden Umstände.

Als Jugendreferent haben Sie viel mit jungen Menschen zu tun. Während Ältere vielleicht Alkohol oder Süßigkeiten einschränken: Verzichten Jugendliche eher auf Internet oder TV?

Jung Fernsehen wird bei den Jugendlichen mehr und mehr zur Sekundärtätigkeit, ein Verzicht ist für sie gar nicht so schwer. Das Internet ist dagegen der große Zeitfaktor im Alltag der Jugend. Hier gibt es zwei Beobachtungen: Zum einen ist es in der Tat so, dass Jugendliche durchaus bereit sind, hier Abstriche zu machen und die Zeit alternativ zu gestalten, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Auf der anderen Seite nutzen Jugendliche das Internet aber auch, um sich bewusster mit Themen zu befassen und zu mehr Hintergrundwissen zu gelangen. Besonders in der Fastenzeit gibt es dazu viele Angebote verschiedener christlicher Organisationen. Zu beidem bedarf es aber Anstöße. Da, wo Eltern oder Medien die Jugendlichen nicht mehr erreichen, versuchen Jugendreferenten wie ich tätig zu werden."

Wie ist Ihre eigene Einstellung zum Fasten: Werden Sie sich in den nächsten Wochen in Verzicht üben?

Jung Mir geht es in der Fastenzeit nicht zwingend um den Verzicht. Im Vordergrund steht für mich die bewusste Auseinandersetzung mit meinem Leben und meinem Umfeld. Ich bemühe mich um eine gezielte Selektion meiner Aktivitäten. Was erlebe ich bei genauer Betrachtung vielleicht doch eher als Zeitverschwendung? Was kann ich tun, um meinen Alltag sinnvoller zu gestalten? Wo kann ich vielleicht helfen, wo ich bisher eher zurückhaltend war? Natürlich gehört für mich auch eine besondere Intensität des Gebets dazu, sowohl alleine als auch mit den Jugendlichen. Die Fastenzeit zielt darauf ab, sich auf das Osterfest vorzubereiten. Dazu möchte ich mit meinem Engagement anregen.

Kann Fasten ein Gewinn werden?

Jung Wir leben in einer sehr schnelllebigen und kurzweiligen Zeit. Eine Vielzahl an Angeboten und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung überfordert viele oder lässt sie den Blick für das Wesentliche verlieren. Fasten heißt, sich die oftmals zitierte ,ruhige Minute' wirklich zu nehmen, einen übergeordneten Blick auf die Dinge zu werfen und manches zu überdenken. Wer fastet, tut nicht nur sich selbst, sondern auch seinem Umfeld etwas Gutes. Ein regelmäßiges Gebet oder gute Taten können das Fasten abrunden.

Daniela Buschkamp führte das Gespräch.

(NGZ)