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Silke Hansen aus Grevenbroich ist die einzige Lokführerin bei der RWE-Werkseisenbahn.

Serie Menschen im Revier : Die einzige Frau bei der RWE-Werksbahn

Silke Hansen aus Grevenbroich fährt eine schwere E-Lok. Ihre größte Sorge sind Kohlegegner auf den Schienen.

Als Lokführerin lebt Silke Hansen ihren (Berufs)-Traum. Der kann allerdings auch leicht zu einem Alptraum werden, wenn Kohlegegner die Schienen der Werkseisenbahn wieder einmal blockieren und damit lebensgefährliche Situationen verursachen. „Davor habe ich Angst“, gibt die 25-jährige Grevenbroicherin zu.

Bisher hat sie die schwere Eisenbahn, die sie hauptsächlich auf der Strecke zwischen dem Tagebau Hambach und den Kraftwerken fährt, zum Glück noch nie notbremsen müssen, weil sich womöglich hinter einer Kurve Kohlegegner an die Schienen gekettet hatten. „Wir fahren mit maximal 50 Stundenkilometern und haben aber mit unseren 140 Tonnen Gewicht bei voller Beladung immer noch einen Bremsweg von 280 Metern“, rechnet die junge Frau vor, die übrigens die erste und einzige Frau bei der RWE-Werksbahn ist. Doch Ende nächsten Jahres soll die zweite Frau als Lokführerin bei RWE eingestellt werden, wie Abteilungsleiter Gerd Wipperfürth ankündigt.

Silke Hansen hatte zunächst eine Ausbildung als Elektrikerin bei RWE abgeschlossen. Da in diesem Bereich aber keine Stelle frei war, wurde die technisch interessierte junge Frau gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, zur Werkseisenbahn zu gehen. „Ich hab mir das mal angeschaut und bin mal mitgefahren“, zeigte sie sich aufgeschlossen und ließ sich auf eine weitere, einjährige Ausbildung im Betrieb ein, bis sie vor fünf Jahren als E-Lokführerin eingestellt wurde. Auf Strecken außerhalb der Tagebaue und Kraftwerke darf sie zwar keine Loks fahren: „Ich würde schon manchmal gerne einen ICE mit 300 Stundenkilometern fahren“, gibt sie zu. Aber Silke Hansen plant eine Zukunft, die möglicherweise gar nichts mehr mit Eisenbahnen zu tun haben wird. Sie besucht neben ihrem anstrengenden Job im Schichtbetrieb auch noch die Technikerschule, um sich weiter zu qualifizieren: „Als ich mich zur Technikerschule angemeldet habe, wollte ich eigentlich nur beruflich weiterkommen und mehr Geld verdienen, so dass ich mir auch ein eigenes Pferd leisten kann“, gibt Silke Hansen zu, deren Hobbys Reiten und Tanzen sind. Inzwischen rücke das Kohleende aber wohl immer näher, als ursprünglich noch gedacht. So sei die berufliche Weiterbildung immer mehr zur Existenzvorsorge geworden. Dennoch sagt sie: „Ich würde eigentlich gerne bei RWE bleiben.“

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Ihre Freunde und Bekannten wissen, dass die 25-Jährige hauptsächlich die Hambacher Strecke fährt, was insbesondere durch die neuerlichen Proteste gegen die geplante weitere Rodung des Hambacher Forstes durchaus zu Diskussionen führe: „Wir können aber sachlich Argumente austauschen. Ich habe Freunde, die gegen die Rodung sind. Andere sind für die Kohle“, sagt sie.

Alles sei doch eine Frage des respektvollen Umgangs miteinander, den sie sich aber von den Kohleaktivisten, die sich an die Schienen ketten, eher wünschen würde. Denn es sei für sie unvorstellbar, wenn sie zwar schuldlos, aber unvermeidbar ihren Zug nicht mehr abbremsen könne und ein Mensch zu Schaden kommen würde, gibt die junge Werkseisenbahnerin zu bedenken.