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Grevenbroich: Sensation: Ringelnatter wird wieder heimisch

Grevenbroich : Sensation: Ringelnatter wird wieder heimisch

Für Umweltbeauftragten Wolf ist es ein Sensationsfund: Erstmals wurden im Stadtgebiet frisch geschlüpfte Ringelnattern gemeldet.

Im Naturschutz ist Norbert Wolf ein ,alter Hase', aber das hat er in 28 Jahren als Umweltbeauftragter der Stadt noch nicht erlebt: In Langwaden nahe dem Gillbach wurden junge Ringelnattern gesichtet, die gerade das Gelege verlassen haben. "Das ist die erste Meldung von frisch geschlüpften Jungtieren im Stadtgebiet." Die Freude über die Reptilien, die nach dem Schlüpfen etwas länger als einen Mittelfinger lang sind, ist groß. "Die Ringelnatter ist in der Niederrheinischen Bucht vom Aussterben bedroht", sagt Wolf.

Im Kreisgebiet gebe es Bestände im Knechtstedener Busch. "Wenn die Ringelnatter sich nun auch bei uns fortpflanzt und hier heimisch wird, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass der Zustand der Feuchtgebiete bei uns gut ist und dieser Schlangenart ausreichend Nahrung bietet", sagt Wolf. Der Umweltbeauftragte betont: "Diese Schlangenart ist für Menschen harmlos. Sie ist ungiftig, und ihr Biss hinterlässt beim Menschen eine Spur wie ein Stecknadel-Stich."

Einzelne Ringelnattern – die Reptilien sind grau gefärbt und weisen zwei markante, halbmondförmige gelblich-weiße Flecken hinter dem Kopf auf – waren bereits im Frühjahr im Stadtgebiet gesichtet worden – vor vielen Jahren auch ein Gelege, Jungtiere wurden danach aber nicht gesehen. Doch jetzt stieß laut Wolf ein Langwadener Ehepaar, das am Naturschutz sehr interessiert sei, zunächst auf zwei erwachsene Ringelnattern im Umfeld eines Komposthaufens. Bald wurden auch zwei Jungtiere gesehen. "Ringelnattern nutzen gern Komposthaufen, um darin ihre Eier abzulegen", erklärt Wolf.

Auch Thomas Braun von der Biologischen Station in Knechtsteden sieht in der Nachricht über die Jungtiere in Langwaden etwas Besonderes. "Jeder neue Fund der Ringelnatter ist wertvoll." Die Biologische Station hegt im Knechtstedener Busch das "wahrscheinlich größte Vorkommen am Niederrhein", so Braun.

Die Station legt Holzplatten aus, die den Schlangen als Unterschlupf dienen können. Auch Thomas Braun betont: "Die Ringelnatter ist für Menschen ungefährlich." Sie ernähre sich unter anderem von Amphibien – Fröschen und Kröten – sowie kleinen Fischen. "Bei Gefahr ergreift sie häufig die Flucht und sucht einen Unterschlupf. Oder sie stellt sich tot."

Wolf bittet die Bürger, beim Erhalt der hier seltenen Art zu helfen: "Bitte die Tiere nicht fangen oder gar tot treten – die Ringelnatter ist geschützt." Wer ein Tier entdecke, das beispielsweise in einen Lichtschacht gefallen ist, könne beim Umweltteam im Schneckenhaus unter der Rufnummer 02181 9199 Rat einholen.

Auch beim Lebensraum kann der Mensch, so Wolf, der Ringelnatter behilflich sein – etwa indem Gartenbesitzer Teiche mit kleinen Fischen anlegen. Und wer im Komposthaufen ein Gelege findet, sollte den Kompost in Ruhe lassen, bis die Schlangen geschlüpft sind, bittet Thomas Braun.

(NGZ)