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Selbsthilfegruppen präsentierten sich in Grevenbroich

Betroffene begegnen einander auf Augenhöhe : Selbsthilfetag gibt Überblick über Angebot

Die Angebote der etwa 120 Selbsthilfegruppen sind stark gefragt. Beim „Selbsthilfetag“ verschafften sich Interessierte einen ersten Überblick.

Gesundheit ist ein Thema, das interessiert. Beim „Selbsthilfetag“ auf dem Marktplatz informierten sich jetzt Besucher ähnlich wie auf einer Messe über Selbsthilfegruppen in ihrer Umgebung. „Zielgruppe sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, die bereits ärztlich versorgt sind“, sagt Renate Gähl. Sie ist Ärztin beim Kreisgesundheitsamt und zählt auch die Vermittlung Betroffener an Selbsthilfegruppen zu ihren Aufgaben. Gähl hatte die Veranstaltung organisiert und zeigt sich mit der Resonanz zufrieden: Insgesamt 20 Selbsthilfegruppen präsentierten sich und boten an ihren Ständen jede Menge Infomaterial.

Im Fokus des Info-Tages“ stand die Hilfe bei chronischen Schlafstörungen. Auf großes Interesse stießen ebenso Selbsthilfe-Angebote zu noch stärker verbreiteten Erkrankungen wie Depressionen oder Diabetes. So präsentierte sich die beispielsweise die Diabetes-Selbsthilfegruppe Dormagen als Köche, die ballaststoffreiches Essen ohne große Mengen Fett und Kohlenhydrate zubereitete. „Wir setzen uns gezielt mit der Erkrankung auseinander. Wir wollen uns gemeinsam besser ernähren und uns gemeinsam mehr bewegen“, erzählt Monika Demming-Pälmer. Derzeit zähle die Gruppe elf Mitglieder, alle vier Wochen stünden Treffen an.

Die Dormagener Gruppe ist noch vergleichsweise jung: Sie wurde erst vor wenigen Monaten gegründet und baut sich gerade auf. Als „etabliert“ lässt sich das Grevenbroicher Gegenstück bezeichnen: Die Diabetes-Selbsthilfegruppe in Grevenbroich trifft sich zwar nur alle zwei Monate, bietet Interessierten aber immer wieder Vorträge von Fachleuten wie Diabetologen, die sie beraten. „Diabetes ist eine Volkskrankheit, in Deutschland soll es rund sieben Millionen Betroffene geben“, sagt Oswald Gröger von der Grevenbroicher Diabetes-Selbsthilfe. „Wer erkrankt ist, braucht viele Informationen.“

Selbsthilfegruppen zeichnen sich immer durch Kontakt auf Augenhöhe aus, Betroffene helfen Betroffenen. Im Rhein-Kreis Neuss gibt es 120 Selbsthilfegruppen, die die Amtsärztin Renate Gähl – ihr Büro ist im Kreisgesundheitsamt auf der Schanze 1 – Patienten weiterempfiehlt. „Ich habe im vergangenen Jahr 2180 Anfragen gezählt, rund 1000 direkt von betroffenen Menschen aus dem Kreisgebiet“, berichtet sie. Die Zahlen dokumentieren, wie stark Hilfsangebote gefragt sind. Außerdem bilden sich immer neue Selbsthilfegruppen..

Michael Vogt aus Neuss gründete eine Selbsthilfegruppe gegen Depressionen Ostern 2018 – und möchte nun eine zweite Gruppe ins Leben rufen. „Sie wird bald an den Start gehen“, sagt Vogt, der auch Tugenden als Mittel gegen Depression sieht. „Dazu zählen Achtsamkeit und Dankbarkeit“, sagt der 54-Jährige, der selbst seit zehn Jahren an Depressionen leidet. Er habe bereits drei schwere Phasen hinter sich gebracht und mit Hilfe guter Tugenden gelernt, Kraft und Hoffnung zu schöpfen. Jetzt will er anderen Menschen mit seinen Erfahrungswerten helfen – ehrenamtlich, so wie die meisten Anbieter.