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Grevenbroich: Schwalm rettet Schweitzer-Erbe

Grevenbroich : Schwalm rettet Schweitzer-Erbe

Der Nachlass von Albert Schweitzer verrottet im Urwald von Lambaréné. Der ehemalige Grevenbroicher Museumsdirektor Bodo Schwalm (70) will nun den Nachlass des großen Arztes und Philosophen retten.

Als 13-Jähriger erlebte er eines der Orgelkonzerte, mit denen Albert Schweitzer sein Urwald-Hospital finanzierte. Als er dem berühmten Doktor anschließend die Hand drücken durfte, stand für Bodo Schwalm eines fest: "Ich wollte Arzt oder Missionar im Dschungel werden", erinnert er sich an das Jahr 1953. Doch es kam anders. Schwalm wurde Museumsdirektor und zeigte den Grevenbroichern, wie die alten Ägypter lebten.

Jetzt, im Alter von 70 Jahren, hat sich der Völkerkundler einen Kindheitstraum erfüllt. Er reiste durch Zentralafrika, holperte bei 56 Grad in der Mittagssonne über rucklige Pisten, fuhr achteinhalb Stunden lang mit dem Einbaum auf dem Ogooué-Fluss. Sein Ziel: die legendäre Lepra-Station in Lambaréné.

Dort angekommen, war er entsetzt: "Das Krankenhaus, das Albert Schweitzer aufgebaut hat, gibt es längst nicht mehr. Termiten haben es zerfressen, ebenso die zweite Klinik", schildert der 70-Jährige. Das nunmehr dritte Hospital versorgt heute hunderte Kranke – und es beherbergt ein Museum, in dem der Nachlass des Urwalddoktors aufbewahrt wird. "Alles ist noch da: Mikroskope, Skalpelle, Krankenakten, Zangen und Injektionsspritzen – aber all das verkommt zusehends. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent rostet das Metall, Fotos und Karteikarten vergilben in der Äquatorsonne", schildert Schwalm.

Auf Bitten der Krankenhausleitung sichtete der Museumskundler das Material. Sein Urteil: "Es ist noch nicht zu spät. Der Nachlass von Albert Schweitzer kann mit relativ einfachen Mitteln gerettet werden, etwa mit Rostumwandler und Lichtschutzhüllen. Dafür aber fehlt den Ärzten in Lambaréné das Geld." Bodo Schwalm will sich nun dafür einsetzen, dass das Erbe Schweitzers der Nachwelt erhalten bleibt. Was der 70-Jährige für seine Mission braucht, sind Studenten einer Hochschule für Restauratoren, die ihn unterstützen wollen, und das Okay des Deutschen Hilfsvereins Albert Schweitzer. Vorher will er jedoch für den finanziellen Hintergrund der Aktion sorgen. Schwalm startet im kommenden Winterhalbjahr mehrere Vorträge in Grevenbroich, Osnabrück, Münster und Dortmund, deren Erlös für ein Museum in Lambaréné bestimmt ist. Im nächsten Jahr will er wieder zurück in den Urwald, wenn die Gesundheit mitmacht.

Eine Erinnerung an Albert Schweitzer hütet Schwalm heute wie seinen Augapfel. Kurz nach dem Konzert 1953 schrieb er an den berühmten Arzt. Der Urwalddoktor schickte eine Postkarte und später einen ausführlichen Bericht zurück. "Man ist doch sehr müde und überarbeitet", heißt es darin, "das Spital ist so groß geworden, das Arbeit und Sorgen erdrückend sind." Doch es gelang Schweitzer, viele Lepra-Patienten zu behandeln: "Es ist meine größte Freude, dass sie trotz der Umstände genesen . . ."

(NGZ)