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Grevenbroich: Schutzpolizist im Süd-Sudan

Grevenbroich : Schutzpolizist im Süd-Sudan

Gustorf Einige Bücher und Spiele hat Hans-Jürgen Grundmann bereits für seinen langen Aufenthalt im Ausland zur Seite gelegt. "Dort wird es wenig Abwechslung geben. Keine Partys abends am Nil, sondern ein sehr diszipliniertes Leben", sagt der 54-Jährige.

Gustorf Einige Bücher und Spiele hat Hans-Jürgen Grundmann bereits für seinen langen Aufenthalt im Ausland zur Seite gelegt. "Dort wird es wenig Abwechslung geben. Keine Partys abends am Nil, sondern ein sehr diszipliniertes Leben", sagt der 54-Jährige.

In der nächsten Woche packt der Polizeibeamte aus Gustorf seine Koffer. Im Auftrag der Vereinten Nationen fliegt Hans-Jürgen Grundmann - als einziger UN-Polizist aus NRW - in die afrikanische Republik Sudan. Die Mission des Gustorfers und weiteren 15 Polizisten aus Deutschland: die Ausbildung von Streifenbeamten nahe Khartum, der Hauptstadt der Republik im Nordosten Afrikas.

"Seit einem Jahr reguliert ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und südsudanesischen Rebellen das Leben im Land. Zuvor erschütterte ein lang anhaltender Bürgerkrieg die Menschen und ihre Dörfer", erzählt Grundmann.

Das Friedensabkommen gewährt dem Süden der Republik derzeit eine Teilautonomie. In 2011 könnte der Süd-Sudan, laut Referendum, ein unabhängiger Staat werden. "Um dies zu begleiten, setzen die Vereinten Nationen rund 10 000 Blauhelm-Soldaten sowie zahlreiche UN-Polizisten im Land ein ", erklärt der Gustorfer, der sich zuvor für die Mission bei den Vereinten Nationen als Polizist bewarb.

"Ich musste mehrere Lehrgänge besuchen, in denen ich inhaltlich auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitetet wurde", sagt Hans-Jürgen Grundmann. 2003 reiste der Leiter der Polizei-Inspektion Kaarst für ein Jahr in den Kosovo - zum ersten Mal im Auftrag der UN.

"Die Idee, als Polizist auch auf internationaler Ebene helfen zu können, entstand aus einem persönlichen Kontakt zu einem britischen Soldaten aus Mönchengladbach", berichtet der Gustorfer. "Ich musste zunächst ausprobiert, ob es meinen Vorstellungen entspricht. Ich habe mich danach systematisch weitergebildet." Neu lernen musste der 54-Jährige zunächst die englische Sprache.

"Begeistert hat mich vor allem die enge Zusammenarbeit mit Polizisten aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Im Kosovo hatte ich Kollegen aus Nigeria, Indonesien, Amerika und von den Fidschi-Inseln", berichtet Hans-Jürgen Grundmann. Die Polizisten hatten, so der Gustorfer, ein gemeinsames Ziel: "Sie wollten Hilfe leisten. Sie sind professionelle Beamte und Schutzleute im positiven Sinne."

Seiner sechsmonatigen Mission im Sudan sieht Hans-Jürgen Grundmann mit einer Portion Gelassenheit entgegen: "Das Vertrauen in die UN-Organisation ist groß. Sie ist sehr auf die Sicherheit ihrer Truppe bedacht, so dass auch die medizinische Versorgung stimmt." Die Gefahr im Land sei kalkulierbar, sagt der 54-Jährige. "Die Situation ist nicht vergleichbar mit dem Irak. Die Polizei ist bei der Bevölkerung willkommen."

Als Streifenbeamter mit Beobachterstatus bildet er ehemalige sudanesische Soldaten für den Dienst auf der Straße aus. "Alle Einzelheiten weiß ich noch nicht. Sicher ist jedoch, dass immer zwei Deutsche ein Trainingsteam bilden."

Während seines freiwilligen Einsatzes ist Hans-Jürgen Grundmann vom Polizeidienst im Kreis freigestellt. "Um psychisch stabil zu bleiben, suche ich in dieser Zeit den Kontakt zu meiner Familie. Die UN hat für die Helfer eine Satellitenanlage und Internetanschlüsse organisiert."

(NGZ)