Grevenbroich: Schutz für Orchidee des Jahres

Grevenbroich : Schutz für Orchidee des Jahres

Das Weiße Waldvöglein wurde zur Orchidee des Jahres gekürt. Auch in Grevenbroich wächst diese Pflanze - sie wurde 2010 von einem Hund entdeckt. Mittlerweile haben sich die Bestände im Stadtgebiet stark vergrößert.

Wer dieser Pflanze ihren Namen gegeben hat, muss eine poetische Ader gehabt haben: Weißes Waldvöglein - das klingt nach Lyrik, nach Liedern wie "Nun will der Lenz uns grüßen". Der schöne Name allein war aber nicht der Grund, warum diese wild wachsende Blume zur "Orchidee des Jahres 2017" gekürt wurde. Mit diesem Titel machen die Arbeitskreise heimischer Orchideen (AHO) der Bundesländer darauf aufmerksam, dass es dieses zarte Pflänzchen zu schützen gilt - auch in Grevenbroich.

Hans-Josef Bolzek (71) ist Kreisbeauftragter des AHO und seit mehr als 30 Jahren auf der Jagd nach der Königin der Blumen. Der Frimmersdorfer erinnert sich noch genau an den Tag, als das Weiße Waldvöglein im Stadtgebiet aufgespürt wurde: "Das war Anfang Juni 2010", sagt er. Die Entdecker-Ehre gebührt allein "Schmitz", dem Hund des Grevenbroicher Biologen Oliver Tillmanns, der eine Abkürzung durch einen Buchenbusch gesucht hatte und prompt vor der bis zu 60 Zentimeter hohen Pflanze mit den perlweißen Blüten stehen geblieben war. "Ein toller Zufallsfund - insgesamt standen 30 Exemplare in unmittelbarer Nähe", sagt Bolzek: "Damit konnten wir damals die zwölfte wilde Orchideenart auf Grevenbroicher Boden nachweisen." Mittlerweile ist diese Zahl auf 13 gestiegen.

Die wildwachsende Orchidee ist relativ genügsam. Sie braucht wenig Licht und bevorzugt Buchenwälder. "In Deutschland ist das Weiße Waldvöglein noch weit verbreitet", sagt Hans-Josef Bolzek: "Damit das so bleibt, ist eine rücksichtsvolle Waldwirtschaft erforderlich." Wo die nicht gegeben sei, etwa in Teilen Nord- und Nordwestdeutschlands, werde diese Pflanzenart seltener. Bolzek appelliert daher auch an die neuen Eigentümer der Hochhalden, bei Forstarbeiten in ihren Waldbeständen vorsichtig zu agieren. "Denn dort ist das Weiße Waldvöglein am weitesten verbreitet", berichtet der Frimmersdorfer. Alleine auf der Vollrather Höhe wachsen mittlerweile mehr als 300 Exemplare, das ergab eine Kartierung, die im vergangenen Jahr vorgenommen wurde. "Es wäre schade, wenn dieser Bestand dort leiden müsste", sagt Hans-Josef Bolzek.

Die ersten Austriebe des Weißen Waldvögleins sind schon jetzt zu erkennen. Die Blütezeit reicht von Mitte Mai bis Ende Juni, manchmal auch bis in den Juli hinein. Wo genau diese Pflänzchen und die übrigen zwölf Orchideenarten stehen, das halten die Mitglieder des AOH geheim. Aus gutem Grund: Bundesweit registrieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Arbeitskreises einen zunehmenden Diebstahl von wilden Orchideen. "Es kommt häufig vor, dass die Pflanzen ausgegraben werden, um sie in den Garten zu setzen", sagt Bolzeck. Eine Überlebenschance hätten die Orchideen, die nährstoffarme Böden lieben, dort aber nicht, meint er.

Das Weiße Waldvöglein gehört zur Gattung Cephalanthera, von der es drei Arten in Deutschland gibt. Das Schwertblättrige Waldvöglein ist bereits von den Orchideenfreunden entdeckt worden - jetzt fehlt ihnen nur noch das Rote Waldvöglein. Im Frühling macht sich Hans-Josef Bolzek auf die Suche.

(NGZ)
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