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Schulhund am Erasmus-Gymnasium Grevenbroich mindert Aggression und erhöht Konzentration

Schulhund Rasmus ist Gute-Laune-Beauftragter am Erasmus-Gymnasium : „Rasmus“ – der Lieblings-Lehrer auf vier Pfoten

Auf den ersten Blick ist „Rasmus“ ein typischer Golden Retriever: zugewandt und niedlich. Als ausgebildeter Schulhund ist er Motivator auf vier Pfoten, mindert Aggressionen sowie Stress – und er bringt Schülern spielend bei, gern Verantwortung zu übernehmen.

Wo der quicklebendige „Rasmus“ auftaucht, steigt spürbar die Stimmung. „Komm mal hierher!“, erklingt es sofort in diesem Tonfall, der sonst nur Neugeborenen gegenüber vorbehalten ist. Denn offensichtlich jeder am Erasmus-Gymnasium möchte den schnuckeligen Hund kraulen oder ein bisschen mit ihm toben. „Er ist tatsächlich so etwas wie unser Gute-Laune-Beauftragter“, beschreibt Schulleiter Michael Collel den Kollegen auf vier Pfoten.

Dienstag und Freitag ist „Rasmus“, seines Zeichens Golden Retriever und drei Jahre alt, als Schulhund im Einsatz. Er ist der Elfte aus seinem Wurf, „der jüngste und ruhigste“, wie Besitzer Michael Collel den Rüden beschreibt. Anders als seine schneeweißen Artgenossen stammt „Rasmus“ aus einer sogenannten Arbeits-Linie der Golden Retriever, er ist also „ursprünglich und nicht überzüchtet“.

Eine Ausbildung bei Päd-Dog befähigt ihn dazu, Schulhund zu sein. In seiner Ausbildung lernte er keine Zirkuskunststücke, sondern nie zu bellen oder andere mit freudvollem Sprung zu begüßen, sich das Knurren erst gar nicht anzugewöhnen und selbstverständlich nie nach niemandem zu schnappen. In einem Wesenstest werden diese ebenso wie andere Eigenschaften bei einer Prüfung abgefragt. Seit diesem Sommer ist der Rüde am Gymnasium „berufstätig“. „Schüler können mit ihm den Hundeführerschein machen“, Kimberley beispielsweise hat das getan.

„Früher hatte ich echt Angst vor Hunden. Das ist nun vorbei“, erinnert sich die 13-Jährige an vergangene Zeiten. Ebenso wie Bea, Canar (beide 14), Frieda und Oskar (beide 13) fand sie es „gut, mit und durch ihn zu lernen“. Nachweislich trägt ein entspannter Hund zur psychischen und körperlichen Entspannung bei. Beim direkten Körperkontakt werden beim Menschen Hormone ausgeschüttet, die Stress abpuffern, Vertrauen fördern und Aggression mindern.

Beim Hundeführerschein lernen die Kinder in Theorie und Praxis den Umgang mit dem Tier. Dabei geht es nicht allein um Hege und Pflege. Auch das Sozialverhalten wird massiv sensibilisiert. „Der Hund wird nie angeschrieen, nicht malträtiert oder geschlagen“, beschreibt Collel Grundsätzliches. Wie mit kleinen Befehlen per modulierter Stimme der Hund animiert wird, auf den Menschen zuzugehen, am Platz zu bleiben oder sich auf der Stelle hinzulegen, lässt sich auf zwischenmenschliche Beziehungen übertragen – es muss nicht gebrüllt werden. „Rasmus“ kommt nur in Klassenzimmer, die aufgeräumt sind, in denen Schultaschen verschlossen bleiben und an denen eine ruhigere Geräuschkulisse ist. „So lassen sich Regeln und Standards spielerischer implementieren“, erläutert Collel den pädagogischen Hiuntergrund der Vermittlung von Ordnung und Disziplin.

Aber „Rasmus“, der ursprünglich „Luke Skywalker“ hätte heißen sollen und wegen seiner treuherzigen Art ironisch „Monster“ genannt wird, wie Collel Familieninterna verrät, kann mehr. Als Troubleshooter nimmt er Dampf aus Zankereien, ist also non-verbaler Streitschlichter – und ist im Bio-Unterricht der Hund Thema, steht er als lebendiges Objekt zur Verfügung. Passiert er an der Seite der Hunde-AG-Teilnehmer die Flure des Schulgebädes, fungiert er als „Staubsauger und hilft so die dem Reinigungspersonal bei der Arbeit. „Was an Brötchenkrümeln und Brotresten am Boden liegt, frisst er gerne auf“, ist „Rasmus“ aller guten Erzeihung zum Trotz ein typischer Retriever. . .und verfressen. Am liebsten mag er Schinken und Mettwurst. Dass der Süßling „vielleicht nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen ist“ erklärt seine Furcht vor Fröschen und Igeln, vor denen er Reißaus nimmt.

„Die meiste Zeit liegt er platt wie eine Flunder am Boden“, beschreibt Michael Collel das ausgeruhte Nichtstun seines Hundes. Natürlich hat er aus hygienischen Grünen keinen Zugang zur Mensa und lungert auch nicht im Lehrerzimmer herum – „es gibt Kollegen, die keine Hunde mögen“.