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Schuldnerberatung der Caritas in Grevenbroich rechnet mit Insolvenzwelle

Schuldnerberatung in Grevenbroich : Caritas rechnet mit Insolvenzwelle

Die Schuldnerberater erwarten viele neue Hilfesuchende – nicht nur wegen Corona. Ein Grund für die Prognose ist eine Veränderung in der Regelung des Insolventsrechts.

Die Schuldnerberatung der Caritas in Grevenbroich rechnet in Folge der Corona-Krise für das Frühjahr mit einer deutlich steigenden Fallzahl durch Privatinsolvenzen. Finanzielle Schieflagen durch die Folgen der Pandemie sind aber nur ein Grund für die Prognose. Die Zahl der Hilfesuchenden dürfte auch deshalb steigen, weil Ende 2020 eine Neuregelung des Insolvenzrechts in Kraft getreten ist. Das sogenannte Restschuldbefreiungsverfahren ist von zuvor meist sechs auf nun drei Jahre verkürzt worden. Dadurch können sich Schuldner schneller aus nicht erfüllten Verbindlichkeiten befreien und einen Neustart wagen.

Die Schuldnerberatung der Caritas, die ihr Büro an der Lindenstraße 1 hat, verzeichnet seit Jahren eine Steigerung bei der Zahl der Hilfesuchenden. Waren es 2019 noch 462 Klienten und 1490 Beratungsgespräche, die die drei Berater führten, stieg die Zahl 2020 auf 497 Klienten. Wegen des Lockdowns im Frühjahr fanden allerdings mit 1415 etwas weniger Beratungsgespräche statt.

Im Vergleich zum Jahr 2019 ist insbesondere die Zahl der Senioren in der Beratungsstelle gestiegen. Die Gründe für deren finanziell bedrohliche Lage sind unterschiedlich und reichen von Krankheit bis hin zu einem geringen Einkommen durch Erwerbsminderungs- und Frühverrentung. „Auch ehemalige Selbständige, Einzelkaufleute, Freiberufler, die keine ausreichende private Rentenvorsorge getroffen haben, sind von Altersarmut und Überschuldung betroffen“, sagt Schuldnerberater Hans-Joachim Kremmers. Neu sei, dass sich Veranstaltungstechniker, Freelancer und Menschen aus der Gastronomie – etwa Studenten in Minijobs – bei der Beratungsstelle meldeten. Berufsgruppen, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Viele Betriebe sind bereits in der ersten Corona-Welle in die roten Zahlen gerutscht.

Sollte sich herausstellen, dass die Ausgleichszahlungen des Bundes nicht auskömmlich sind, rechnet Kremmers mit Entlassungen und für seine Beratungsstelle mit einer Vielzahl neuer Klienten: „Dann erwarten wir eine Insolvenzwelle.“ Termine gibt es bei der Schuldnerberatung derzeit nur nach telefonischer Absprache.

Kontakt schuldnerberatung@caritas-­neuss.de; Telefon 02181 8199250