Schuldner- und Insolvenzberatung. Stadt zahl caritas höhere Zuschüsse

Schuldnerberatung in Grevenbroich: Stadt zahlt Caritas mehr Geld für Hilfen

Die Stadt wird für die Schuldner- und Insolvenzberatung sowie für die Wohnungslosen-Kontaktstelle der Caritas deutlich höhere Zuschüsse bezahlen. Mit der Einigung ist der drohende Weggang beider Angebote abgewendet.

Die Zukunft der Schuldner- und Insolvenzberatung an der Bergheimer Straße ist gesichert. Die Stadt wird ab 2019 dem Caritasverband deutlich mehr für das Beratungsangebot zahlen. Die Politiker gaben dafür einstimmig grünes Licht – ebenso wie für höhere Zuschüsse für die Wohnungslosen-Kontaktstelle der Caritas. CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser dankte der Verwaltung für ihren Einsatz bei den Verhandlungen und machte deutlich, was damit abgewendet werden konnte: „Die Caritas stand vor dem Absprung aus Grevenbroich. Wir wollen den Verband in der Stadt halten.“ Auch Martina Suermann (Mein Grevenbroich) sprach von einem guten Ergebnis.

Norbert Kallen, Vorstand des Caritas-Verbandes Rhein-Kreis Neuss, bestätigte: „Wir haben in Gesprächen mit der Stadt erklärt, dass wir – falls es keine Einigung gibt – überlegen müssen, mit den beiden Angeboten an einen anderen Standort außerhalb von Grevenbroich zu gehen.“ Zum Hintergrund: Vor 16 Jahren wurde die Schuldnerberatung von Stadt und Caritas an einer Stelle gebündelt. „Ursprünglich war vereinbart worden, dass die Stadt die Hälfte der Personalkosten trägt“, erklärt Kallen. Doch im Laufe der Jahre sank der jährliche Zuschuss aus dem Rathaus von 25.500 auf 20.000 Euro. Mittlerweile liegt der zwar bei 27.840 Euro, doch dem stehen laut Kallen Steigerungen der Personalkosten gegenüber, die Caritas wende selbst rund 50.000 Euro auf. Der Verband kündigte den Vertrag mit der Begründung, dass die Eigenmittel eine Höhe erreicht hätten, die den Aufsichtsgremien nicht mehr zu vermitteln sei. Im Rathaus gab es dafür Verständnis. Verwaltung und Caritas einigten sich auf höhere Zuschüsse. 2019 sollen knapp 38.600 Euro fließen, 2020 rund 39.500, 2021 dann 40.500 Euro.

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Kallen ist mit dem Ergebnis zufrieden, und er betont die Bedeutung der Schuldnerberatung. „Viele Menschen geraten in eine prekäre finanzielle Lage, aus der sie allein nicht mehr herausfinden.“ 2017 bewältigte das dreiköpfige Mitarbeiter-Team 1197 Beratungskontakte. Von einem „konstant hohen Niveau“ spricht Abteilungsleiter Dirk Jünger, es gebe Wartelisten. „Arbeitsplatzverlust, Trennung, Sucht oder Erkrankung“ nennt Hans-Joachim Kremmers vom Beratungsteam als „einschneidende Ereignisse in der Lebensbiografie“, die zur Verschuldung führen könnten. Oft gehe es um Miet- oder Energiekostenschulden, aber auch um Immobiliendarlehen mit sechsstelligen Beträgen. „Viele kommen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sagt Kremmers. „Zunächst geht es darum, die drängendsten Probleme zu lösen, etwa bei Pfändungsmaßnahmen“, erläutert Schuldner-Berater Peter Cremer. Eine Sanierung ist das noch nicht. Mit dem Betroffenen wird die Höhe der Schulden festgestellt und versucht, mit dem Gläubiger etwa Ratenzahlung zu vereinbaren. Ein anderer Weg ist, wie Pamela Joeres-Pomp vom Team erläutert, die Privatinsolvenz – ein gerichtlich geregeltes Verfahren zur Entschuldung.

Mehr Geld erhält die Caritas auch für die Kontakt- und Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose an der Bergheimer Straße. „Auch darüber diskutierten wir mit der Stadt seit geraumer Zeit“, sagt Kallen, Der Verband weist hierbei ebenfalls auf gestiegene Personalkosten hin. 2018 bleibt es zwar bei 23.769 Euro Zuschuss wie im Vorjahr, 2019 soll er aber auf 48.972 Euro steigen. Zudem wollen Stadt und Caritas in einen „Wirksamkeitsdialog“ eintreten: Anhand von Kennzahlen soll ausgelotet werden, wieweit sich die Lebenssituation der Menschen verbessert hat.

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