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Grevenbroich: Schützenvereine sehen ihre Existenz bedroht

Grevenbroich : Schützenvereine sehen ihre Existenz bedroht

Zwanzig Präsidenten appellieren: Die Stadt soll die Zeltwirte-Gebühr zu den Akten legen. Sie stelle den Fortbestand der Vereine in Frage.

Die Grevenbroicher Sparpläne gefährden die Zukunft des Brauchtums. Diesen Appell richteten die Präsidenten der 20 Schützenvereine, Bruderschaften und Kirmesgesellschaften jetzt an die Bürgermeisterin. Ihre Befürchtung: Wenn die Stadt wie geplant die Zeltwirte mit Standgebühren belaste, stelle sie den Fortbestand der Vereine in Frage. "Und zwar in nicht unerheblichem Maße", wie Theo Lys, als Präsident der Grevenbroicher Präsidentenrunde erklärte.

Vor knapp vier Wochen hatte sich der Hauptausschuss mehrheitlich gegen eine Gebühr für Zeltwirte ausgesprochen — und seine Rechnung ohne den Landrat gemacht. Denn der monierte den damit verbundenen Einnahmeverlust von jährlich rund 40 000 Euro. Dies könne sich die Stadt angesichts ihrer desolaten Haushaltslage nicht erlauben, mahnte Hans-Jürgen Petrauschke. Das Thema kam damit auf die Tagesordnung des Rates.

Vorab legten die Präsidenten ihr Veto ein: "Die 40 000 Euro werden mit allergrößter Sicherheit eins zu eins von den Zeltwirten an unsere Vereine durchgereicht", befürchtet Theo Lys. Würden die Politiker diesen Gebühren zustimmen, käme eine Mehrbelastung auf die Schützen- und Heimatvereine zu. "Letztlich würde ihnen die Existenzgrundlage entzogen", so Lys.

In einem Brief an die Bürgermeisterin machen die 20 Schützenpräsidenten deutlich, dass ihre Vereine mit mehr als 20 000 Mitgliedern nicht nur die Stützpfeiler des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens in den Orten seien. Sie übernähmen auch Aufgaben, die früher im Zuständigkeitsbereich der Stadt gelegen hätten — etwa die Grün- und Kriegsgräberpflege sowie Sommerferien-Aktionen für junge Leute. Würden die Vereine noch mehr finanziell belastet, könnten die Mitglieder auf Dauer ihr ehrenamtliches Engagement einstellen, kündigt Präsidenten-Chef Lys an.

Der Appell kam bei den Politikern an. Die (fast) einmütige Meinung im Rat: Die Gebühr ist eine Zumutung für das Brauchtum. "Sie würde zu einer Erdrosselung der heimischen Vereine führen. Denn die Spenden, die sie von den Zeltwirten noch erhalten, fallen dann weg", meinte Horst Gerbrand (SPD). Sein Vorschlag: Vereine, Politik und Landrat sollen am runden Tisch zusammenkommen, um die Thematik gemeinsam zu erörtern, erst danach soll der Rat über die Gebühr beraten. "Aber nicht mehr für das Jahr 2013, da die Schützenfestsaison bereits im Gang ist", erklärte Wolfgang Kaiser (CDU), der sich mit dieser Marschrichtung einverstanden erklärte. Bürgermeisterin Ursula Kwasny will sich nun um einen Gesprächstermin mit dem Landrat kümmern.

Einzig die Bündnisgrünen sprachen sich im Stadtrat für eine Standgebühr aus. "Die Zeltwirte sind auf Gewinn ausgerichtet, sie sollten ebenso zahlen wie der Entenangler, der auf dem Kirmesplatz steht", betonte Fraktionsvorsitzender Dirk Gawlinski. Dass die Schützenvereine in wirtschaftliche Not geraten würden, bezweifele er: "Zehn Cent mehr fürs Bier — und die Kosten sind wieder raus."

(NGZ/rl)