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Grevenbroich: Schützen ziehen durchs trockene Erftbett

Grevenbroich : Schützen ziehen durchs trockene Erftbett

Beim Fackelzug am Samstagabend persiflieren die Scheibenschützen ein Thema, das viele Wevelinghovener berührt: Die Pläne des Erftverbandes, der den Fluss aus dem Ort nehmen möchte.

Das größte Regiment der Stadt marschiert durch ein knochentrockenes Erftbett. Wo einst der Fluss durch den Ort strömte, wird die Königsparade abgehalten. Das darf nicht wahr werden, meinen die Scheibenschützen aus Wevelinghoven. Und das werden sie am kommenden Samstagabend beim großen Fackelzug in der Gartenstadt deutlich machen.

Wie in jedem Jahr baut der Scheibenschützenzug "Erftjunker" die Korpsfackel. Auf der sich drehenden Litfaßsäule werden regelmäßig auch kritische Themen aufgegriffen, die den Ort betreffen. "Wir persiflieren diesmal die Pläne des Erftverbandes", verrät Mitglied Helmut Coenen. Konkret geht es um ein Vorhaben der Bergheimer Gewässer-Experten, nach dem der Fluss in den nächsten Jahrzehnten ein neues Bett erhalten und vom Ort weg in die Auen verlegt werden soll. Besitzer von Ufergrundstücken würden die Erft als Nachbarn verlieren, der Vitusgraben nahe der Dreesmühle würde verschwinden und aufgefüllt.

"Das lehnen wir ab, denn der Flussverlauf an der Straße ,Am Wehr' prägt das Bild unseres Ortes. Dieses Postkartenmotiv muss erhalten bleiben", meint Heimatfreund Coenen. Er hat seinen Kollegen, den bekannten Grafiker Jan Hillen, mit Karikaturen beauftragt, die auf die Fackel des Scheibenschützenkorps übertragen werden. Sie zeigen das Regiment auf einem Marschweg, den es nach Meinung der Brauchtumshüter nicht geben soll.

"Bis dass es mit dem geplanten Umbau der Erft losgehen wird, vergehen noch einige Jahre", meint Coenen: "Dennoch wollen wir das Thema nicht aus den Augen verlieren." Der Grafiker sieht die Karikaturen nicht als harsche Kritik am Erftverband, sondern lediglich als einen humorvollen Hinweis in Richtung Bergheim. "Wir Wevelinghovener sind bemüht, gemeinsam mit ihm eine vernünftige Lösung zu finden." Dass das auch im Sinne des Erftverbandes ist, hatte zuletzt Hartmut Hoevel, Bauingenieur beim Verband, versichert: "Wir werden die Anregungen der Bürger in die Planung einbeziehen." Mit größeren Erft-Umbauten ist wohl nicht vor 2020 zu rechnen.

Um das Thema weiter am "Kochen" zu halten, wird Helmut Coenen beim Korpsfrühschoppen am Schützenfest-Dienstag einen von ihm erstellten Küchenkalender verteilen: Er zeigt zwölf Motive von der Erft in Wevelinghoven – wie sie einmal war, wie sie ist und wie sie in Zukunft bleiben soll.

(NGZ)