Grevenbroich/Neuss: Schüler fahren mit Kunst-Floß auf der Erft

Grevenbroich/Neuss : Schüler fahren mit Kunst-Floß auf der Erft

Gleich eine ganze Klasse der Holzheimer Realschule hat sich zu einem Open-Air-Praktikum entschlossen. Zwei Woche lang bauen die Schüler mit Künstlerin Charlotte Kons an der Erft an ihren Flößen. Später stechen sie damit "in See".

Der Generator summt laut vor sich hin, es wird gehämmert, gebohrt, Bretter und Balken werden durch die Gegend getragen. 32 Zehntklässler der Realschule Holzheim stemmen zusammen mit ihrer Dozentin, der bildenden Künstlerin und Fotografin Charlotte Kons das Projekt "Kunstflöße Erft13". Dahinter verbirgt sich eine etwa zwei Wochen dauernde Aktion, die im Rahmen eines Schulpraktikums stattfindet.

Kern und Höhepunkt des Projekts ist, gemeinsam Flöße zu bauen, die am Ende zu Wasser gelassen werden. Auf ihnen werden die Schüler dann bis zum Rhein fahren — wenn alles klappt. Praktikumsort ist ein Natur-Grundstück in Münchrath: direkt an der Erft gelegen, von einem Landwirt zur Verfügung gestellt.

"Dass die Schüler nach ihren Abschlussarbeiten ein Praktikum absolvieren, ist obligatorisch", erzählt Klassenlehrer und Mitinitiator Thorsten Weber, das Besondere an diesem Projekt aber sei, dass eine ganze Klasse sich beteilige. "Dass das Projekt irgendetwas mit Wasser zu tun haben würde, war mir relativ schnell klar", sagt Charlotte Kons, "die Schule liegt ja an der Erft. Rund um den Einfall mit den Flößen sind dann immer mehr kleinere Ideen entstanden.

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Dabei gebe ich nur den Rahmen — die Schüler sind diejenigen, die alles kreativ umsetzen", sagt sie. Unterstützt wird das Kunstprojekt vom Neusser Kulturamt, so dass auch weitere Dozenten gewonnen werden konnten. Ein Workshop wurde zum Beispiel von der Opernsängerin Annette Elster abgehalten. "Klar, da war ich schon skeptisch ob eine Opernsängerin 15-jährige Realschüler begeistern kann", gesteht Weber. "Aber es ist einfach faszinierend mitzuerleben, wie aufgeschlossen die Jugendlichen dabei sind. Am Ende entstand ein Rap-Song, außerdem haben sie Annette Elster kurzerhand als Sängerin für ihren Abschlussball gebucht."

Darin liegt für Charlotte Kons auch der tiefere Sinn des Ganzen: "Es sollten sich im Laufe des Projekts überall kleine Türen öffnen zu verschiedenen Kunstformen." Besonders schön ist es für die Fotografin, mitzuerleben, wie die Schüler das Projekt ohne äußeren Druck mit Begeisterung angehen. Die natürliche Dynamik zeigt sich auch beim Floßbau: Das Wetter ist nicht berauschend, und die Nacht, die sie spontan gemeinsam auf Schloss Liedberg verbracht haben, war kurz. Dennoch packen alle mit an und bauen nach der Anleitung des "Konstruktionsteams" die insgesamt fünf Flöße. "Man sieht es ja, die wollen jetzt einfach, dass die Dinger schwimmen!" erklärt Kons.

Gemeinschaftssinn und konstruktive Atmosphäre sind nicht zu übersehen — das bestätigt auch die 16-jährige Lieselotte: "So ein Projekt schweißt noch mal anders zusammen, als es im Schulalltag möglich ist. Irgendwie ist es deshalb auch richtig schade, dass wir bald alle getrennte Wege gehen."

Doch eine Erinnerung wird den Praktikanten auf jeden Fall bleiben, denn das "Team Chronik" dokumentiert das Projekt. In dicken Büchern werden zum Beispiel die Bauzeichnungen der Flöße, Anekdoten oder Zitate festgehalten. Zudem entsteht ein Film über die gesamte Aktion, der auch bei einer Ausstellung im Atelierhaus Hansastraße in Neuss Ende 2013 vorgeführt wird.

(NGZ/rl)
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