Schmetterlinge in Grevenbroich

Grevenbroich : Das große Flattern

Im Sommer wimmelt es in der Königshovener Mulde vor Schmetterlingen. Fast 650 Arten sind dort zu Hause, darunter auch viele, die auf der Roten Liste stehen.

In Grevenbroich gibt es mehr Tiere, als bei einer industriell geprägten Stadt zu erwarten wäre. Mehr als 140 - teilweise seltene - Vogelarten leben in der Stadt und in der Königshovener Mulde tummeln sich fast 650 verschiedene Schmetterlingsarten. Das ist dank Heinrich Bombelka und Heinrich Fischer von der Entomologischen Gesellschaft Düsseldorf bekannt, die die Schmetterlinge über mehrere Jahre kartiert haben. Mit Licht- und Pheromonfallen kamen sie 647 verschiedenen Arten auf die Spur. Bombelka ist noch immer begeistert. "Wir waren sehr überrascht und haben uns gewundert, was wir alles gefunden haben. Die Vielfalt ist unglaublich gut", so der Schmetterlingsexperte. Es seien in den Rekultivierungsgebieten viele Spezies zu finden, die es sonst in Deutschland nicht gebe.

Woher diese Vielfalt kommt, erklärt Gregor Eßer von der Forschungsstelle Rekultivierung von RWE Power. "Bei der Königshovener Mulde handelt es sich um eine halboffene bis offene Landschaft", sagt der Experte. Bei der Rekultivierung in den 90er Jahren habe man in diesem, etwa einen Kilometer langen und teilweise nur 200 bis 400 Meter breiten Bereich auf sehr artenreiche Mähwiesen gesetzt. "Die wachsen eigentlich im Bereich der Rheinauen, etwa im Zonser Grind", so Eßer.

Mittels des Heudrusch-Verfahrens wurde das Saatgut nach Grevenbroich gebracht. Das heißt, die Wiesen wurden gemäht und das Heu mitsamt der Pflanzensamen ausgebracht. Damit allein sei es aber nicht getan, so der Experte: "Rekultivierte Böden sind nicht so überdüngt", sagt Eßer. Auf normalen Böden ginge nur ein kleiner Teil der Samen auf. Die Wiesen, in denen seltene Salbeiarten oder auch der Klappertopf wachsen, ziehen mit ihren vielen Blüten innerhalb kurzer Zeit Insekten an, berichtet Eßer: "Die flugfähigen Arten sind schnell da." Während Kröten und Frösche vor dem Tagebau eingefangen und dann in die Rekultivierung gebracht würden, werde bei den Insekten nicht nachgeholfen. Auch seltene Exemplare wie der himmelblau schillernde Kurzschwanz-Bläuling oder der Nachtfalter Aethes fennicana kämen von alleine. "Es scheint ökologische Nischen zu geben, über welche die Tiere sich verbreiten", so Eßer.

Mehr als 100 der Schmetterlingsarten, so erklärt Eßer, stünden auf der Roten Liste. Darunter sind etwa die Spanische Fahne, der Schwalbenschwanz oder der Mauerfuchs. Derzeit, so berichtet Gregor Eßer, seien die Schmetterlingsexperten der Entomologischen Gesellschaft in anderen Gebieten unterwegs, in diesem Jahr solle beispielsweise die Kartierung auf der Sophienhöhe starten. Aus den Untersuchungen könnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, etwa darüber, wo es bei der Rekultivierung Optimierungsbedarf gibt.

Der Artenreichtum in der Königshovener Mulde sei etwas besonderes, betont Eßer. Um ihn zu erhalten, sind einige Pflegemaßnahmen nötig. So wird regelmäßig gemäht und dafür gesorgt, dass keine Bäume und Sträucher die Wiese erobern. "Wir lassen aber immer ein Drittel der Wiese stehen", erklärt Eßer. So haben Bodenbrüter, Orchideen und Insekten immer noch genügend Fläche zum Leben. "Beim nächsten Mähen bleibt dann ein anderer Teil stehen", so der Experte.

(NGZ)
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