Grevenbroich: Schlossbad: Standard oder Luxus

Grevenbroich : Schlossbad: Standard oder Luxus

Die Politiker in Grevenbroich wollen ein neues Schwimmbad. Dafür sind sie bereit, neue Schulden zu machen – trotz Mahnung der Kämmerin. In Dinslaken und Walldorf wurden auch neues Bäder gebaut. Vorbilder für die Schlosstadt?

Die Politiker in Grevenbroich wollen ein neues Schwimmbad. Dafür sind sie bereit, neue Schulden zu machen — trotz Mahnung der Kämmerin. In Dinslaken und Walldorf wurden auch neues Bäder gebaut. Vorbilder für die Schlosstadt?

Der Zeitplan steht: 2014 soll das neue Schlossbad fertig sein. Das hoffen zumindest Grevenbroichs Politiker. Noch warten sie auf die Zustimmung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Er muss das millionenschwere Bauvorhaben abnicken, da sich die Stadt im Nothaushalt befindet. Angesichts eines 52-Millionen-Lochs im Haushalt kann sich die Stadt ein solches Millionenprojekt eigentlich nicht leisten, müsste neue Schulden aufnehmen.

Während die Politik nahezu einhellig für einen Neubau eintritt, mahnte Kämmerin Monika Stirken-Hohmann unlängst zur Zurückhaltung: "Es geht um Grundsätzliches. Ist eine Stadt nur lebenswert, weil sie ein Schwimmbad bietet?". Sie setzt — mit Blick auf den Schuldenstand — auf interkommunale Zusammenarbeit: "Wenn Angebote im Umland existieren, muss eine Stadt über Kooperationen nachdenken." Eine Argumentation, die das Schwimmbad zum verzichtbaren Luxus deklariert.

In Walldorf, rund 300 Kilometer südöstlich der Schlossstadt, ist Geld für Luxus vorhanden. Elf Millionen Euro hat das neue Hallenbad mit angeschlossenem Saunabereich gekostet — Grevenbroich plant einen vergleichbaren Umfang. Doch die Voraussetzungen sind anders: Walldorf gilt als eine der reichsten Kommunen Europas. Für 2012 plant die Gemeinde Gewerbesteuereinnahmen von rund 85 Millionen Euro. Der Grund: Software-Hersteller SAP ist größter Arbeitgeber und Steuerzahler im Ort, es herrscht Vollbeschäftigung.

Schwimmbäder gibt es im Umland genug, das alte Walldorfer Bad hätte saniert werden können. "Wir haben neu gebaut, uns für mehr Attraktivität und eine hohe Energieeffizienz entschieden", sagt Ulrich Schumann, Leiter der Bäderbetriebe in Walldorf. Mit rund 700 000 Euro wird der Betrieb jährlich bezuschusst, dafür kann die Gemeinde die Schwimmzeiten für Schulen um 60 Prozent erhöhen, täglich kommen 700 Badegäste — die Tageskarte kostet sechs Euro.

Von solchen Möglichkeiten kann Grevenbroich nur träumen. Eher ein Beispiel für die Schlossstadt ist Dinslaken. Dort wurde im Sommer vergangenen Jahres das für elf Millionen Euro errichtete neue Schwimmbad fertiggestellt. Betreiber ist ein Tochterunternehmen der Stadtwerke. Deren Sprecher Wolfgang Kammann sagt: "Der Betrieb eines solchen Bades ist immer defizitär." Doch die mit einem Haushaltsloch von 19,2 Millionen Euro für 2012 planende Stadt Dinslaken will sich diesen Luxus leisten.

Allerdings locken im Umland kaum Konkurrenzbäder. In Grevenbroich ist das anders: Zwei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt steht das Monte Mare in Bedburg.

(NGZ)
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