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Grevenbroich: Schäfer Werner Lupp – ein Leben als Hirte in moderner Zeit

Grevenbroich : Schäfer Werner Lupp – ein Leben als Hirte in moderner Zeit

Kommet, ihr Hirten: Werner Lupp (36) ist Schäfer in der neunten Generation. Weihnachten feiert der Hirte ganz besinnlich mit seiner Familie.

"Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde." So steht es in der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas.

Ganz so traditionell feiert Schäfer Werner Lupp (36) aus Gindorf sein Weihnachten nicht. Zwar steht seine Herde zum Fest auch auf einem "Berg". Doch die mehr als 500 Tiere müssen die Heilige Nacht ohne ihren Hirten auf der Vollrather Höhe verbringen. "Weihnachten feiere ich mit meiner Familie", sagt Lupp. Und das genießt er. Denn das gesamte Jahr zieht der Schäfer, der die Familientradition in der neunten Generation aufrecht erhält, mit seinen Tieren durch Nordrhein-Westfalen. Er ist von der holländischen Grenze bis ins Bergische Land unterwegs. Seine ständigen Begleiter: Vater Hans (65) und acht Hunde.

Ganz alleine kommen die Schafe aber auch an Weihnachten nicht zurecht. "An Heiligabend fahre ich zur Herde und schaue nach dem rechten. Das geht die ganzen Festtage so, ich muss immer wieder raus", sagt Lupp. Der einzige Unterschied gegenüber anderen Tagen liegt laut dem Hirten beim Abendessen: "Es kommt halt was Besseres auf den Tisch", meint Werner Lupp schmunzelnd. Über die Rolle seines Berufs in der Bibel freut sich der Hirte. Dennoch hat der Schäfer-Job heute nur noch wenig mit dem Bild von damals zu tun. "Man ist immer noch frei und unabhängig — und das macht mir am meisten Spaß", erklärt Werner Lupp.

Auf abgeernteten Feldern findet der Schäfer mit seiner Herde oft Asyl. Geld verdient Lupp durch den Verkauf und die Schlachtung von Lämmern. Das ganze Jahr ist der 36-Jährige mit seinen Tieren unterwegs. Abends kommt er aber immer nach Hause. "Ich schlafe nicht bei der Herde. Das wäre übertrieben", meint Lupp. Gerade im Sommer ist er bis zu 14 Stunden pro Tag unterwegs. Dennoch kann sich der Gindorfer keinen besseren Beruf vorstellen. "Das ist echt mein Traumjob. Ich bin damit aufgewachsen — und so war mein Ziel schon früh festgelegt", erklärt er.

Doch trotz vieler Vorteile hat auch Lupp mit Problemen zu kämpfen. Freilaufende Hunde sind eine Gefahr für seine Tiere. Auch durch Hunde, die nicht beißen, sondern einfach in die Herde laufen, können Schäden entstehen. "Die Schafe haben panische Angst vor fremden Hunden. Das sieht man ihnen aber nicht an. 90 Prozent der Hunde hören nicht auf ihren Besitzer. Dadurch wird die Herde aufgeschreckt", erklärt Lupp. Die Folge: Flüchtende Schafe können stürzen. Und das könne zu sogenannten Verlammungen führen, also zu Fehlgeburten. Der Schäfer appelliert an Hundebesitzer: "Eine Herde mit 500 Tieren kann niemand übersehen. Jeder, der in ihre Nähe kommt, sollte seinen Hund an die Leine nehmen."

(draxl)