Grevenbroich: RWE vergrößert Elsbachtal

Grevenbroich : RWE vergrößert Elsbachtal

Nach den Plänen von RWE soll das Elsbachtal in den nächsten zehn Jahren bis an die Gemeindegrenze von Jüchen reichen. Was den Eigentümer des Geländes ärgert: Der Hunde-Tourismus nimmt extreme Formen an.

Das Elsbachtal wird sich in den nächsten zehn Jahren vergrößern. Um etwa 50 Hektar soll das Naherholungsziel am Stadtrand von Grevenbroich wachsen. RWE plant eine Ausweitung bis an die Grenzen der Nachbargemeinde Jüchen. "Wir wollen den halboffenen Charakter dieser Landschaft fortsetzen", sagt Ulf Dworschak aus der Forschungsstelle für Rekultivierung: "Das heißt: Wiesen und Waldstücke werden sich abwechseln."

Das Elsbachtal wurde in den 90er Jahren künstlich auf dem ehemaligen Gebiet des Tagebaus Garzweiler angelegt — mit historischem Hintergrund. "Wir haben die Gegend so gestaltet, wie sie einmal vor der Zeit der großen mittelalterlichen Rodungen ausgesehen haben könnte", erklärt Dworschak. Denn Archäologen belegten: Dieser Landstrich war schon zu Römerzeiten besiedelt, wenn auch nur dünn.

Mit der natürlichen Entwicklung des von Menschenhand geschaffenen Elsbachtals ist der Biologe im Großen und Ganzen zufrieden: "Auf dem Gelände haben sich viele seltene Pflanzenarten angesiedelt, sogar wilde Orchideen wachsen hier", erklärt er. Weniger glücklich ist Ulf Dworschak jedoch mit dem "Gassi-geh-Tourismus", der mittlerweile "grenzwertige Ausmaße" erreicht habe: "Das Gebiet wird extrem durch Hunde belastet. Das Einzugsgebiet liegt bis hinter Düsseldorf, sogar im Internet wird für das Elsbachtal geworben."

Die Folge: "Am Boden brütende Vogelarten siedeln sich nicht an, weil sie von stöbernden Hunden aufgescheucht werden", beklagt der Biologe. Zudem würden sich immer mehr Spaziergänger bei RWE beklagen, weil sie Angst vor freilaufenden Vierbeinern hätten und das Naherholungsziel bewusst meiden würden. Eine Lösung sieht Dworschak indes nicht: "Das Gebiet kann ja nicht gesperrt werden."

In den nächsten Jahren wird das etwa 30 Hektar große Areal jedoch entzerrt, wenn es in Richtung Jüchen ausgebaut wird. "Die Planungen sind angelaufen, sie werden in nächster Zeit konkretisiert", sagt Ulf Dworschak. Der Übergang soll möglichst nahtlos geschaffen werden, das neue soll sich kaum vom alten Elsbachtal unterscheiden. "Ein Hügel und vielleicht ein kleiner Bach könnten die Landschaft auflockern", überlegt Dworschak.

Hügel gibt es auch im jetzigen Elsbachtal, sie gehören zum Landart-Projekt "Entwicklungsfelder", das nach zehn Jahren von der Natur eingenommen wurde. Von dem einst 200 000 Euro teuren Landschafts-Kunstwerk ist kaum mehr etwas zu erahnen. Was die UWG-Ratsfrau Hildegard Florack aus Gustorf als "Geldverschwendung" bezeichnet, freut den Biologen: "Hier blühen jetzt richtig schöne Wildblumen."

(NGZ/rl)