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Grevenbroich: RWE testet 160 000 Energie-Pflanzen

Grevenbroich : RWE testet 160 000 Energie-Pflanzen

Auf vier Hektar großen Feldern am Tagebau wurde ein Großversuch gestartet. Der Energiekonzern prüft den Einsatz von Silphien in Biogasanlagen. Die nordamerikanische Heilpflanze könnte in Konkurrenz zu Mais oder Hirse treten.

Ist die Silphie eine Rohstoff-Alternative für die Erzeugung von Biogas? Dieser Frage geht RWE auf zwei Versuchsfeldern in der Nähe des Tagebaus Garzweiler auf den Grund. Etwa 160 000 Exemplare der aus Nordamerika stammenden Pflanze werden zurzeit im Rahmen eines auf drei Jahre ausgelegten Tests in die Erde rekultivierter Böden gesetzt. "Ziel ist es, die Silphie künftig in unseren Biogasanlagen in Neurath und Paffendorf einzusetzen", sagt Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender der RWE Generation. Dabei sollen der Ertrag und die Qualität des gelb blühenden Gewächses mit der anderer Energiepflanzen verglichen werden.

Die Silphie ist in Kalifornien beheimatet, sie ist an trockene Standorte gewöhnt, kommt mit den mitteleuropäischen Klimaverhältnissen gut klar und lässt sich problemlos in hiesigen Breiten anbauen. "Das macht sie für uns interessant", meint Hans Bünting, Geschäftsführer der RWE Innogy. Ein weiterer Vorteil: Die bis zu drei Meter hochschießende Staude kann über einen Zeitraum von zehn Jahren regelmäßig geerntet werden. "Jährliche Pflanzungen wie beim Mais sind nicht erforderlich", so Bünting.

Die Testfelder, insgesamt größer als acht Fußballfelder, wurden neu angelegt. Erste Erfahrungen mit der Silphie konnte der Energiekonzern bereits auf einer kleineren Fläche gewinnen, die sich ebenfalls in der Nähe des Tagebaus befindet. Dort stehen seit 2010 rund 12 000 Pflanzen, die in der Neurather Biogasanlage eingesetzt werden.

"Mit den Ergebnissen sind wir durchaus zufrieden", erklärt Hans Bünting: "Im zweiten Jahr haben sich die Flächenerträge mehr als verdoppelt. Zudem waren die Gasausbeute und auch die Biogasqualität mit der von anderen Energiepflanzen vergleichbar."

Ist die Staude erst einmal etabliert, gebe es für die RWE-Landwirte nur zweierlei zu tun: im Frühjahr düngen und im Herbst ernten. "Gerade dieser geringe Aufwand könnte die Silphie gegenüber Mais wirtschaftlich machen", sagt Bünting. Die Nachteile: Noch fehlt homogenes Saatgut, und der Preis für Jungpflanzen ist recht hoch. Zudem werden erst im zweiten Jahr 100 Prozent des möglichen Ertrages erreicht. "Die ersten Jahre sind teuer und risikoreich. Das schreckt viele Landwirte zurzeit noch ab, die Silphie als Energiepflanze einzusetzen", meint Hans Bünting. Er geht jedoch davon aus, dass es mit Hilfe von Forschungsvorhaben gelingen wird, diese Art langfristig zu etablieren. "Damit wollen wir auch für Vielfalt auf den Biogasäckern sorgen und die Monokultur-Diskussion entschärfen", so Bünting.

Neben den Flächen am Tagebau Garzweiler verfügt RWE Innogy über einen weiteren Teststandort für neue Energiepflanzen. In Sachsen-Anhalt, in der Nähe des Orts Güterglück, stehen seit 2010 auf einer rund drei Hektar großen Fläche 120 000 Silphie-Pflanzen. In der vergangenen Woche ist zudem noch eine weitere, fünf Hektar große Fläche mit 200 000 Setzlingen angelegt worden. Auch diese Pflanzen werden zu Biogas verarbeitet.

(NGZ/ac)