Grevenbroich: "RWE-Rückzug wäre eine Katastrophe"

Grevenbroich: "RWE-Rückzug wäre eine Katastrophe"

Die Nachricht, RWE könnte 2018 den Tagebau Garzweiler II aufgeben, löst Bestürzung aus. CDU-"General" Gröhe mahnt "zuverlässige unternehmerische Planungen" an. Der Kreis warnt vor dramatischen wirtschaftlichen Folgen eines Stopps.

Garzweiler II lässt sich nicht so einfach stoppen. Das sagt Tagebaudirektor Lutz Kunde. "Wir müssen uns noch mindestens zehn Jahre bewegen, damit am Schluss ein Restsee entstehen kann. Vorher lässt sich dieses Projekt nicht realisieren", meint der Chef der gigantischen Grube. Ein möglicher Ausstieg in 2017/2018, wie ihn gestern die Süddeutsche Zeitung meldete, sei schon alleine vor diesem Hintergrund nicht machbar.

Und auch nicht geplant, wie RWE-Konzernchef Peter Terium erklärt. Seine Botschaft: Das Unternehmen halte an seinen Planungen zur Fortführung des Tagebaus unverändert fest. Lutz Kunde unterstreicht das: "Wir haben 2012 ein Rekordergebnis eingefahren, die für 2018 prognostizierten Kohlezahlen sind extrem hoch — da denkt niemand ans Aussteigen." Zwar gebe es interne Szenarien, wie sich das Revier unter unterschiedlichen politischen Einflüssen entwickeln könnte, doch dies sei "normales Planungshandwerk", meint der Tagebauchef: "So etwas muss vorgedacht und in die Schublade gelegt werden. Das ist aber kein Aufreger."

Dennoch sorgte die Nachricht von einem möglichen vorzeitigen Ausstieg für Unruhe in der Belegschaft. Beim Betriebsratsvorsitzenden Ismail Tekin liefen schon zu früher Stunde die Telefone heiß. "Es herrscht Betroffenheit", so Kunde. Vor allem auch, weil RWE unter dem Einfluss von sinkenden Großhandelspreisen für Strom und anziehenden Preisen für Kohlendioxid-Zertifikate unter wirtschaftlichem Druck steht.

Alleine im Bereich der Braunkohle will das Unternehmen jährlich rund 150 Millionen Euro einsparen, hatte Matthias Hartung, Vorstandschef der neuen "RWE Generation", unlängst erklärt. Im September ist auch im Tagebau das Spar-Programm "Neo" angelaufen, mit ersten Ergebnissen wird nicht vor März 2014 gerechnet. Schon jetzt ist klar: "Ohne Personalreduzierung wird es nicht gehen", sagte Hartung. Soziale Härten will der Konzern jedoch vermeiden.

Politiker fordern auch vor diesem Hintergrund mehr Klarheit vom Energie-Konzern: "Die Bevölkerung hat einen Anspruch auf zuverlässige unternehmerische Planungen", erklärte der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe (CDU), in dessen Wahlkreis auch Tagebau und Kraftwerke liegen. Umgekehrt sei die Politik in der Pflicht, für Zuverlässigkeit bei der Rahmenplanung zu sorgen. Der Landtagsabgeordnete Rainer Thiel (SPD) sieht vor allem die künftige Bundesregierung in der Pflicht: "Sie ist aufgefordert, mit einem neuen Strommarkt-Design dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen wieder in Ordnung gebracht werden. Die Energiewende funktioniert nur mit Braunkohle."

Dass RWE alle Bereiche einer harten Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzieht, um das Unternehmen rentabler zu machen, kann Landrat Hans-Jürgen Petrauschke nachvollziehen. "Eine so drastische Maßnahme wie ein vorzeitiges Ende des Tagebaus kann ich mir aber nicht vorstellen", sagt er. Und es wenn doch so kommen sollte? "Dann hätten die Grünen endlich gewonnen — und der Rhein-Kreis müsste die Folgen tragen." Kreiswirtschaftsdezernent Jürgen Steinmetz fasst das dann mögliche Ergebnis kurz und drastisch zusammen: "Für unsere Wirtschaft und unseren Standort wäre es schlicht eine Katastrophe." Das sieht Bürgermeisterin Ursula Kwasny genauso: "Unsere Stadt wäre hart betroffen. Nicht nur durch die Arbeitsplätze, die verloren gingen, sondern auch durch den Ausfall an Gewerbesteuer." Kwasny glaubt aber nicht an einen Ausstieg: "Der wird nicht kommen."

Über die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region will Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, nicht spekulieren: "Für mich ist das ein ungelegtes Ei", meint er.

(NGZ)
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