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RWE plant mit zwei Wissenschaftlern eine riesige Wasserbatterie im künftigen Tagebausee in Hambach

Energie aus dem Tagebau : Wasserbatterie soll Kohlestrom ersetzen

Für die Zeit, wenn der Tagebau Garzweiler und mit Neurath auch das letzte Kohlekraftwerk in Grevenbroich stillgelegt sein werden, hat RWE jetzt einen ganz besonderen Plan der Neugewinnung von Strom: eine Speicherbatterie im See.

Die künftige Versorgung mit zuverlässigem und bezahlbarem Strom wird inzwischen vom Gros der Akteure im Rheinischen Revier nach dem Kohleausstieg ab dem Jahr 2038 als vorrangiges Ziel betrachtet: noch vor der ebenfalls wichtigen Schaffung neuer Arbeitsplätze. Für die Zeit, wenn der Tagebau Garzweiler und mit Neurath auch das letzte Kohlekraftwerk in Grevenbroich stillgelegt werden, hat RWE jetzt einen ganz besonderen Plan der Neugewinnung von Strom.

Zwei Wissenschaftler, mit denen sich der Vorstand des Energiekonzerns am heutigen Montag treffen wird, haben auf dem Reissbrett eine riesige Strombatterie für einen Tagebausee entwickelt. In diesem Speicher könnte der überschüssige Wind- und Solarstrom aufgenommen werden. Damit könnte der bisherige Nachteil dieser regenerativen, bislang nicht speicherbaren Energien aufgehoben werden.

RWE steht diesem Pilotprojekt, das maßgeblich zur künftigen Stromversorgung im Rheinischen Revier beitragen kann, „sehr positiv und aufgeschlossen entgegen“, sagt Konzernsprecher Guido Steffen. Er schränkt allerdings ein, der geplante See im Tagebau Garzweiler werde für den Speicherblock mit 210 Metern Grabungstiefe nicht in Frage kommen. Das 470 Tiefenmeter Gefälle im Tagebau Hambach sei dafür aber geeignet.

Das von den Wissenschaftlern Gerhard Luther (Saarbrücken) und Professor Horst Schmidt-Böcking (Goethe-Universität Frankfurt/M.) konzipierte neuartige Pumpspeicherkraftwerk auf dem Grund eines Tagebausees werde gegenüber sonstigen Stromkonzepten wesentliche Vorteile haben. Denn man könne das Wasservolumen des Sees nutzen und die Wasserbatterie, die bisher nur „auf dem Papier“ existiere, in Modulen schrittweise aufbauen und auf ihre Praxistauglichkeit testen. Als Nächstes stehe nach dem Austausch mit den Wissenschaftlern eine Machbarkeitsanalyse an, informiert RWE-Sprecher Guido Steffen.

Im Übrigen sei auch an eine Einbindung dieses Pilotprojektes bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) gedacht, die Leitbilder, Innovationsstrategien und Handlungskonzepte für den Strukturwandel in der Region entwickelt. Seitens der Wissenschaftler und des Energiekonzerns stünde bei einem positiven Ergebnis der Machbarkeitsanalyse nichts mehr im Wege, möglicherweise wären Prototypen der Speicherbatterie schon in bereits bestehenden Seen zu testen.

Die Physikprofessoren Horst Schmidt-Böcking und Gerhard Luther hoffen – wie auch FAZ und Saarbrücker Zeitung berichten – mit ihrer Wasserbatterie auf ihren Durchbruch in der Energiewende. Erfolgreiche Tests seien mit einer Beton-Hohlkugel von etwa drei Metern Durchmesser vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel im Bodensee in 100 Metern Tiefe durchgeführt worden.

Und wie soll der Speicher funktionieren? Mit dem regenerativen Überschussstrom aus Wind und Sonne soll mit einer in die Außenhülle eingebauten Turbine die Betonkugel leer gepumpt werden. Durch Öffnung eines Ventils soll die gespeicherte Energie quasi abrufbar sein. Das Wasser soll durch den Tiefendruck in die Hohlkugel zurückströmen und so Turbine und Generator antreiben.

Um das Hambacher Loch als Energiespeicher zu nutzen, soll in die 450 Meter tiefe Braunkohlegrube mit einer Sohlenfläche von etwa vier Quadratkilometern eine 100 bis 200 Meter hohe Betonkonstruktion mit einem möglichst großen Innenhohlraum gestellt werden. Die soll dann geflutet werden. Damit der Baukörper dem Wasserdruck widersteht, wird er aus mehreren Zellen zusammengesetzt. Turbinen am tiefsten Punkt sorgen dafür, das Wasser aus dem Hohlkörper in den See zu pumpen, oder zur Stromgewinnung zurückströmen zu lassen.

Die Speicherkapazität soll bei einer Grundfläche des Hohlkastens von vier Quadratkilometern und einer Höhe von 100 Metern etwa 300 Millionen Kilowattstunden (kWh) betragen. Es könnten in einem Zyklus mehr als 270 Gigawattstunden (GWh) an elektrischer Energie gespeichert werden. Das entspricht dem Achtfachen der herkömmlichen deutschen Pumpspeicherkraftwerke. Nach Auffassung der Wissenschaftler lägen die Stromkosten je nach Ausbaugröße zwischen einem und zwei Cent je Kilowattstunde.