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Grevenbroich: RWE: Greenpeace schürt Angst vor Kohlekraftwerk

Grevenbroich : RWE: Greenpeace schürt Angst vor Kohlekraftwerk

Die Kohlekraftwerke in Frimmersdorf und Neurath gehören laut einer Greenpeace-Studie zu den zehn gesundheitsschädlichsten Meilern.

Kohlekraftwerke ruinieren durch giftigen Feinstaub die Gesundheit — dies ist das Ergebnis einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestern vorstellte. Zwei der zehn gesundheitsschädlichsten Braunkohlekraftwerken Deutschlands stehen in Grevenbroich: Frimmersdorf und Neurath, ein drittes in Niederaußem in unmittelbarer Nähe. Laut der Analyse des "Instituts für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung (IER)" der Universität in Stuttgart sind die RWE-Meiler in Frimmersdorf für 164 Todesfälle pro Jahr, die in Neurath für 160 Tote jährlich verantwortlich.

Unternehmenssprecher Lothar Lambertz sagt dazu: "Wir teilen die Ergebnisse der Studie nicht; hier wird gegen die Kohle agitiert und es werden Ängste geschürt." Feinstaub stamme nur zu fünf Prozent aus Kohlekraftwerken, größere Quellen, die in der Studie überhaupt nicht genannt würden, seien etwa der Verkehr oder die Landwirtschaft. Zudem würden alle geltenden Grenzwerte eingehalten.

Unter dem Titel "Tod aus dem Schlot" wurden 67 deutsche Kohlekraftwerke, die aus Braun- und Steinkohle Strom produzieren, auf ihre Folgen für die Gesundheit untersucht. Ein Ergebnis: Kraftwerke stoßen Schwefeldioxid, Stickoxid und Staub aus — winzig kleine Partikel, die tief in die Lunge eindringen, über den Blutkreislauf Herz und Blutgefäße schädigen sowie giftige Stoffe ins Gewebe transportieren können. Die Folge: Die Lunge und ihre Funktion werden beeinträchtigt, das Risiko für Atemwegserkrankungen wie Asthma steigt und weitere Krankheiten steigt.

Doch der Zusammenhang zwischen den Auftreten von Feinstäuben und Krankheiten ist wissenschaftlich nicht belegt, wie der Lungenfacharzt Professor Dr. Bernhard Höltmann (61) vom Kreiskrankenhaus Grevenbroich erläutert: "Die Frage der Kausalität ist nicht geklärt." Feinstaub könnte, so der Pneumologe, zudem aus unterschiedlichen Quellen stammen. Studien würden zwar zeigen, dass Menschen die nahe der Autobahn leben, häufig unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Doch man könne weitere Faktoren (etwa Lebensumstände, geringes Einkommen) nicht ausschließen.

Um die Belastung durch den Tagebau zu reduzieren, traten in Grevenbroich ein Aktions-, dann ein Luftreinhalteplan in Kraft: RWE hauste Transportbänder ein und installierte Beregnungsanlagen. 2006 und 2007 war der zulässige Tagesmittelwert öfter als an 25 Tagen überschritten worden, im Jahr 2012 nicht mehr. Deshalb ließen das Umweltministerium sowie das Amt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz die große Mess-Station an der St.-Leonhard-Straße in Gindorf abbauen — gegen den Protest der Stadtverwaltung.

Bürgermeisterin Ursula Kwasny war gestern zu keiner Stellungnahme bereit. Sie will sich heute zur Greenpeace-Studie äußern.

Bericht Seite A 1

(NGZ/url)