Grevenbroich: RWE fürchtet weitere Kohle-Proteste

Grevenbroich: RWE fürchtet weitere Kohle-Proteste

Rainer Thiel, MdL: Debatten über Braunkohle-Zukunft müssen aufhören

Auch gestern beschäftigten Klima-Aktivisten die Polizei. Nachdem am Samstag rund 800 Menschen in den Tagebau eingedrungen waren, hatten sich nun einige Aktivisten an Gleisen der Hambachbahn zwischen Kerpen und Merzenich festgekettet, erst mittags konnten die Werkszüge wieder ins Kraftwerk Niederaußem fahren. Bis dahin diente zum Teil Kohle aus Garzweiler als Ersatz.

In Grevenbroich und Jüchen blieb es gestern laut RWE-Sprecher Guido Steffen ruhig, er zog nach den Vorkommnissen am Wochenende eine - zweigeteilte - Bilanz. "Wir sind erleichtert, dass es im Tagebau zu keinen gravierenden Verletzungen gekommen ist. Zudem konnten die Kraftwerke weiterlaufen - die Stromversorgung war nicht gefährdet." Allerdings habe es "erhebliche betriebliche Störungen" gegeben. "Zwei Bagger standen über mehrere Stunden, ein dritter für kurze Zeit still", so Steffen. "Unsere Gesellschaft kennt viele Instrumente, um Protest zu äußern. Aber einen Tagebau zu stürmen und den Betrieb teilweise stillzulegen, ist der falsche Weg." Wie groß der finanzielle Schaden ist, kann RWE noch nicht sagen. "Wir werden jetzt Konsequenzen beraten. Und wir sind darauf eingestellt, dass die Vorfälle nicht die letzten sind", erklärt der Sprecher. An eine hermetische Abriegelung des Tagebaus denkt RWE nicht. "Das Gebiet ist zu großflächig. Wir können keine Mauer darum ziehen, und dies wäre auch ein schlechtes Zeichen für die Menschen in der Region, die dem Tagebau mehrheitlich zumindest tolerant oder zustimmend gegenüberstehen", sagt Guido Steffen.

Kein Verständnis für die Aktion "Ende Gelände" hat SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Thiel. "Die Stromerzeugung mit Braunkohle ist eine Brückentechnologie, mit der wir den Atomausstieg ermöglichen", sagt Thiel "Die Braunkohle wird bis 2045 abgebaut. Diese Zeit wollen wir nutzen, um das Rheinische Revier zukunftsfähig zu machen. Dafür brauchen wir Planungssicherheit. Die Debatten über die Zukunft der Braunkohle sorgen für Verunsicherung in der Belegschaft sowie bei ihren Angehörigen. Das muss aufhören", fordert Thiel.

(NGZ)
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