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Grevenbroich: Roller-Fans knattern um die Zugspitze

Grevenbroich : Roller-Fans knattern um die Zugspitze

Begeistert von historischen Motorrollern der Marke Heinkel, machte der "Heinkel-Oldtimer-Club Rhein-Erft" jetzt eine Spritztour bis in die Alpen. Ins Leben gerufen wurde der Club vor vier Jahren vom Wevelinghovener Horst Dreier.

Schnell den Benzinhahn aufdrehen, zweimal leicht Gas geben und schon läuft das schnittige rote Schätzchen aus den 60ern, das seit 2008 im stolzen Besitz von Heinkel-Fan Horst Dreier aus Wevelinghoven ist. Ernst Heinkel — das war eigentlich ein Flugzeughersteller, in dessen Fokus nach den beiden Weltkriegen vor allem die Produktion von Motorrollern gerückt ist. "Heute sind es Sammlerstücke, die als Oldtimer nur noch selten auf den Straßen unterwegs sind", sagt Horst Dreier, der seine "Heinkel A2" aus dem Jahr 1961 als begeisterter Schrauber hegt und pflegt.

"Dass aus dem einstigen Schrotthaufen mal so ein schmucker Roller wird, hätte ich nicht gedacht", sagt der 68-Jährige, der die Maschine vor fünf Jahren für 500 Euro im Internet ersteigert hat. Doch damals erinnerte es an alles andere als Fahrspaß auf zwei Rädern: "Zwei Vorbesitzer hatten bereits versucht, den Roller wieder verkehrssicher auf die Straße zu bringen", erinnert sich der Wevelinghovener, der rund fünf Monate Tage und Nächte in der Garage verbrachte, um seine Heinkel wieder auf Vordermann zu bringen. In mühevoller Arbeit ist ihm das gelungen. "Dass es einen Heinkel-Club mit über 4000 Mitgliedern in Deutschland gibt, wusste ich da noch nicht", sagt Dreier.

Vielleicht hätte ihm das die mühsame Suche nach raren Ersatzteilen erspart, denn der Club verfügt über eine eigene Ersatzteil-GmbH. "Doch ich habe zahlreiche Kontakte zu ebenfalls Heinkel-begeisterten Leuten aus ganz Deutschland knüpfen können", erzählt der Rentner. So auch mit Herbert Scholzen aus Reuschenberg, mit dem er gemeinsam Anfang 2009 einen Heinkel-Stammtisch für das Rhein-Erft-Gebiet gründete. Der "harte Kern" dieser regionalen Interessengemeinschaft zählt bis heute mehr als 20 Leute, die regelmäßig an Rallyes und Ausfahrten teilnehmen.

Ein Ausflug der besonderen Art trieb den Zusammenschluss jetzt bis in die Alpen: "Hintergrund war das einmal jährlich stattfindende Heinkel-Treffen im Ostallgäu. Und wenn wir schon da sind, dachten wir, machen wir gleich den Abstecher in die Alpen", schildert Dreier, für den das bisher die längste Tour war, die er auf den historischen Rollern je zurücklegte.

Durch die idyllischen Berglandschaften ging es für die Mitglieder des "Heinkel-Oldtimer-Clubs Rhein-Erft" nach dem eigentlichen Treffen im Allgäu bis nach Österreich. "Da haben wir an einem Tag auf einer Strecke von 300 Kilometern sieben verschneite Berg-Pässe durchquert", berichtet Horst Dreier. Immer mit dabei: seine Kamera, mit der er die Herausforderung für Mensch und Roller dokumentierte. "Mit gefahren sind auch Herbert Scholzen aus Reuschenberg und Frank Behrens aus Köln-Worringen, der mit einer original Post-Heinkel an der Tour teilnahm."

Die Roller hätte man in den 1950er und 1960er Jahren vielseitig verwendet — etwa bei der Deutschen Bundespost oder gar bei der Polizei, die die immerhin 100 Kilometer pro Stunde flotten Maschinen auch für ihren Dienst einsetzte. Heute sind das teure Stücke für eingefleischte Liebhaber. Wenn er seine Heinkel heute startet und der knatternde Sound des Motors ertönt, klingt das wie Musik in seinen Ohren. "Und wenn etwas kaputt geht, kann man es leicht reparieren", sagt der ehemalige Computertechniker. "Schließlich bestehen die Roller noch aus Blech — und nicht aus zerbrechlichen Plastikteilen."

Die Alpen-Tour wird jedenfalls nicht die letzte Tour des Grevenbroicher Stammtischs, der sich an jedem ersten Montag im Monat trifft, bleiben: "Regelmäßig sind wir auf Rallyes vertreten, fachsimpeln bei ,Benzingesprächen' oder begleiten gar Hochzeiten — natürlich standesgemäß im Korso", sagt Horst Dreier und lacht begeistert.

Beim Jahresrückblick werden die Heinkel-Freunde aber zunächst an ihre Fahrt in die Alpen denken.

(cka)