1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Ringen um Verkehrsentlastung

Grevenbroich : Ringen um Verkehrsentlastung

"Pro O" ist für den Lückenschluss der Landstraße 361n, "Rettet die Erftaue" kämpft gegen dieses Projekt. Was beide Initiativen verbindet: der Wunsch nach einer Verkehrsentlastung für Kapellen und Wevelinghoven.

Die Bürgerinitiative "Pro O" sieht sich im Aufwind. Der vom Landesbetrieb Straßen erstellte Vorentwurf zum Bau der Lückenschlusses der Landstraße 361n zwischen Kapellen und Wevelinghoven ist vom NRW-Verkehrsministerium genehmigt worden. Hans Strunk, Vorsitzender von "Pro O", geht davon aus, dass mit dem Bau des etwa drei Kilometer langen Teilstücks in absehbarer Zeit begonnen werden kann.

Dagegen stellt sich eine andere Bürgerinitiative auf: "Rettet die Erftaue" (RdE) lehnt das seit Jahrzehnten geplante Straßenbauprojekt vehement ab. "Jetzt gilt es, wachsam zu sein", sagt Vorsitzender Gerhard Hoff: "Wir werden versuchen, den Vorentwurf zu bekommen, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen." Die Marschrichtung steht für ihn und seine Mitstreiter fest: Die Trasse muss verhindert werden.

Die Initiative lenkt hierbei vor allem den Blick auf das Naherholungsgebiet Erftaue. "Die Landschaftsschutzgebiete, die um ein gesetzlich geschütztes Biotop liegen, werden abgeschnitten und mehrfach zerteilt, über 100 000 Quadratmeter Fläche werden versiegelt. Es werden Lebensräume und damit auch Lebewesen zerstört", schildert RdE-Mitglied Dirk Schimanski die Folgen.

Aus Sicht der Initiative sei diese Trasse zudem "fiskalischer Unsinn", denn: "Erdbewegungen, Ständerbauwerke und Brücken werden immense Kosten verschlingen – für eine Straße, die der größte Teil der Bevölkerung nicht will", betont Gerhard Hoff. Eine günstigere Alternative sieht der Vorsitzende in der sogenannten "Westumgehung", die den Verkehr von der Autobahn 46 über die Straße "Auf den Hundert Morgen" und eine neue Spange (Ortsumgehung Noithausen) zur Kreisstraße 10 und zum Industriegebiet Ost führen könnte. "Sie würde auch das Gewerbegebiet am Kapellener Neubaugebiet mit aufnehmen", so Gerhard Hoff.

Um eine kurzfristige Entlastung vom Verkehr zu erreichen, schlägt "Rettet die Erftaue" ein Lkw-Durchfahrtsverbot für Kapellen und Wevelinghoven vor. "Für diese Maßnahme haben wir binnen einer Woche etwa 450 Unterschriften gesammelt", erklärt RdE-Vizevorsitzende Annette Reisinger. Die Liste wurde im Rathaus abgegeben, verbunden mit der Forderung nach effektiven Lärmschutzmaßnahmen für das Neubaugebiet.

Eine Verkehrsentlastung für Kapellen und Wevelinghoven – das ist das gemeinsame Ziel von "Pro O" und "Rettet die Erftaue". Nur über den Weg dorthin gibt es unterschiedliche Meinungen. Was sich Gerhard Hoff wünscht: "Die Diskussion sollte sachlich, nicht emotional geführt werden." Nach Vorstellungen von "Rettet die Erftaue" sollte es zwischen den Initiativen zu einem Austausch von Argumenten kommen, unter der Moderation des neuen SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Thiel. Der zeigt sich auf Anfrage unserer Zeitung gestern bereit: "Wenn man mich fragt, werde ich das gern machen", erklärte Thiel. Auch wenn der Vorentwurf vorliege, sei noch nicht entschieden, ob die Straße gebaut werde: "Wir sollten einen Weg finden, wie man gemeinsam weiterkommt."

(NGZ)