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Grevenbroich: Riesen-Bohrer unter den Gleisen

Grevenbroich : Riesen-Bohrer unter den Gleisen

Orken Über die Gleise am Bahnübergang Blumenstraße rattern sie im Halbstunden-Takt: 5000 Tonnen schwere Erzzüge. Zwei Meter unter der Erdoberfläche und nur wenige Schritte von den Orkener Gleisen entfernt bohrt sich zeitgleich ein Riesen-Werkzeug Stück für Stück durch die Dunkelheit.

Orken Über die Gleise am Bahnübergang Blumenstraße rattern sie im Halbstunden-Takt: 5000 Tonnen schwere Erzzüge. Zwei Meter unter der Erdoberfläche und nur wenige Schritte von den Orkener Gleisen entfernt bohrt sich zeitgleich ein Riesen-Werkzeug Stück für Stück durch die Dunkelheit.

Ein zwei Meter großer und 35 Tonnen schwerer Schneidschuh frisst sich unter den Bahngleisen hindurch. Er macht Platz für einen neuen Regen- und Schmutzwasserkanal.

"Die Dimensionen sind schon etwas Besonderes", sagt Uwe Bors. Der Leiter der Abteilung Stadtentwässerung bei den Wirtschaftsbetrieben Grevenbroich (WGV) beugt sich über den Rand der so genannten Pressgrube. "Die einzelnen Kanalelemente werden dort unten hydraulisch durch die Vortriebsrohre gedrückt. In wenigen Tagen sind es Rohre mit einem Durchmesser von 1,80 Meter", berichtet Bors.

Gelbe Sprühfarbe markiert den Punkt, an dem in zwei Wochen das Loch für den Regenwasserkanal gebohrt werden soll. "Bisher sind die Schmutzwasserleitungen in Richtung Klärbecken und Blumenstraße verlegt", so der Ingenieur. Vor dem Bahnübergang an der Von-Goldammer-Straße sehen Autofahrer derzeit nur die stählernen Vorboten der Grube.

An der Blumenstraße birgt ein Erdloch das Ende des Schmutzwasserkanals. "Viele Radfahrer und Fußgänger rufen den Arbeitern hier zu, sie würden nicht sehen, dass sich was bewegt - und das ist richtig. Die moderne Technik und die aufwändige Arbeitsweise bleibt verborgen", sagt der Ingenieur.

Dabei orientiert sich die Spitze des "Riesen-Bohrers" an Richtungsdaten, die ein Satellit vorgibt. Den Schneidschuh steuert ein Mitarbeiter der Firma "Himmel und Hennig" per Steuerhebel "unter Tage". "Das ist keine alltägliche Baustelle, aber die Gleise lassen uns keine andere Wahl", so Uwe Bors.

Zwei Jahre dauerte alleine die Vorarbeit: Geologen und Statiker prüften das Gleisbett, erstellten Gutachten für die Deutsche Bahn. Das Ergebnis: "Wir dürfen unterirdisch Rohre verlegen, auch wenn darüber die Güterzüge rollen", sagt der WGV-Abteilungsleiter. Bislang gab es keinen Zwischenfall. Wenn die Trasse nur wenige Zentimeter absacken sollte, steht ein Sicherheitsingenieur der Bahn und eine "Stopfkolonne" bereit, die die Unebenheiten beseitigen.

"Die unterirdischen Arbeiten läuten die dritte Runde eines umfangreichen Entwässerungs-Konzepts ein", erläutert Bors. Der etwa 1,3 Millionen Euro teure Abschnitt umfasst zudem den Kanalbau in der Blumenstraße. Bis Ende des Jahres werden dort "überirdisch" mehrere Meter neue Rohre verlegt. "In 2007 ist dann die Richard-Wagner-Straße dran, zuerst in Richtung Rheydter -Straße", so der Abteilungsleiter.

Die Gründe für das Projekt sind vielfältig: Zum einen müssen neue rechtliche Bestimmungen umgesetzt werden - das Regenwasser wird künftig im Klärbecken vorgereinigt bevor es in die Erft fließen darf -, zum anderen sind die Kanalrohre in Orken nicht mehr ausreichend dimensioniert. "Sobald die neuen Entwässerungsanlagen in Betrieb gehen, können starke Gewitter und Regenfälle den Bürgern in diesem Stadtteil keine Probleme mehr bereiten", ist sich Bors sicher.

Bis Ende Oktober dauern die Arbeiten in der Baugrube nahe der Kreisstraße 22 noch an. In den nächsten Tagen wird die Hydraulikanlage des "Riesen-Bohrers" in Richtung Türling gedreht. Mit der Kraft von 2000 Tonnen werden dann erneut neue Rohre - wie von "Geisterhand" - durch die Erde gepresst.

(NGZ)