Grevenbroich: Rettungskräfte üben Notfall in Lackfabrik

Grevenbroich : Rettungskräfte üben Notfall in Lackfabrik

Feuer, Rauch, Verletzte: So wurde am Samstag bei Actega Rhenania ein Notfall simuliert. 120 Kräfte von Wehr und Rettungsdienst waren dabei.

Geschäftsführer Gerd Judith konnte nur am Rand stehen und tatenlos zuschauen. Eigentlich war er auch unsichtbar, genauso wie rund 30 weitere Beobachter der Notfallübung auf dem Werksgelände von Actega Rhenania. Der Hersteller für Lack- und Beschichtungsstoffe simulierte mit Feuerwehr, Rettungskräfte und Katastrophenschutz den Ernstfall — das erste Mal seit 15 Jahren.

Das Szenario: Ein Störfall im Hauptproduktionsgebäude sorgt für ein Feuer und starke Rauchentwicklung. Als um 10.03 Uhr der Alarm auslöst, begeben sich die Mitarbeiter auf den vorgegebenen Laufwegen zu den drei Sammelstellen. Gerade mal 30 Sekunden Zeit bleibt ihnen, danach wäre das Atmen durch den Rauch zu schwer.

"Durch unsere automatische Löschanlage ist das Feuer nicht das Hauptproblem, sondern die Evakuierung", erklärte Gerd Judith. Rund 85 Mitarbeiter beteiligten sich in ihrer Freizeit an der Übung. Die beiden Hauptzufahrten wurden mit Kontrolleuren besetzt, die keine Unbefugten auf das Gelände lassen.

Bernhard Kaucke instruierte als betrieblicher Krisenkoordinator alle eintreffenden Rettungskräfte. Die Feuerwehr Grevenbroich besitzt alle Pläne des Betriebsgeländes. Sie hat im Notfall automatisch Zugang zu einem Tresor mit einem Generalschlüssel. Rund um das Hauptproduktionsgebäude mussten sie sechs "Verletzte" retten. Einen weiteren holten sie aus der stark verrauchten Produktionshalle heraus.

Auf Knien und mit Atemschutz schaffen es die Feuerwehrleute ins Gebäude. Eine knappe halbe Stunde nach dem Unfall tragen sie einen jungen Mann bewusstlos und mit schweren Verbrennungen heraus. An der Sammelstelle für Verletzte ordnet Marc Zellerhoff, der Ärztliche Leiter für Rettungsdienste im Rhein-Kreis Neuss, dessen Transport in eine Spezialklinik an. "Wegen des Wetters könnten wir keinen Hubschrauber anfordern. Im Ernstfall würde der Verletzte in Kliniken nach Köln, Aachen oder Duisburg gebracht werden", so Zellerhoff. Später müssen Sanitäter noch zu einem Notfall an einer Sammelstelle eilen und den achten Verletzten versorgen.

Die Rolle der Opfer übernahmen Ehrenamtliche des Malteser Hilfsdienstes. Dafür wurden sie so geschminkt, dass ihre Verletzungen realistisch wirken.

Rund 120 Rettungskräfte aus dem Rhein-Kreis Neuss waren bei der Übung dabei. In der Abschlussbesprechung wurden keine bedeutenden Kritikpunkte geäußert. "Die Strukturen haben gut funktioniert. Wir haben schnell zueinander Kontakt bekommen. Das ist das wichtigste", so der Ärztliche Leiter Marc Zellerhoff. Geschäftsführer Gerd Judith zeigte sich zufrieden: "Die Meldekette ist gut gelaufen. Das Kritische in solchen Fällen ist immer die Frage, wo sich die Menschen auf dem Gelände befinden. Hier müssen wir auch von unserer Seite immer wieder schauen." Als Belohnung wurden alle Beteiligten zu einem Mittagessen eingeladen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Großübung von Feuerwehr und Katastrophenschutz in Grevenbroich

(NGZ/rl)
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