Reproduktionsmediziner Christian Gnoth aus Grevenbroich hilft Paaren mit Kinderwunsch

NRW-Landtag beschließt Förderung für Reproduktionsmedizin : Hilfe für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

NRW-Landtag hat Förderung für Reproduktionsmedizin beschlossen. Endokrinologe Christian Gnoth erklärt, was das bedeuten könnte.

Ein gemeinsames Kind ist für viele Paare die Krönung ihrer Beziehung. Doch nicht immer geht der Kinderwunsch in Erfüllung. Klappt es nicht spontan, können sich Paare bei Endokrinologen und Reproduktionsmedizinern helfen lassen. Das soll künftig einfacher gehen: Ende Dezember hat der NRW-Landtag beschlossen, „kinderlose Paare bei unerfülltem Kinderwunsch besser zu unterstützen“, berichtet Heike Troles. „Die emotionale Komponente berührt mich sehr“, gesteht die zweifache Mutter und Landtagsabgeordnete.

Denn „eine Kinderwunschbehandlung ist kein Spaziergang“, weiß Frauenarzt und Endokrinologe Christian Gnoth aus Grevenbroich. „Kein Paar, das hier ist, macht das aus Spaß“, sagt er über die Besucher seiner Praxis an der Rheydter Straße – viele lassen rund um die Erfüllung ihres Lebenstraums reichlich Nerven und Geld, haben allerlei Hormon- und Zyklusbestimmungen sowie Sex nach Stundenplan hinter sich. Und sind trotzdem noch immer nicht schwanger.

Hat der Dreh an verschiedenen kleinen Stellschrauben nichts gebracht, wird künstliche Befruchtung ein Thema. Wer bislang Inseminationstherapie und künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen wollte, sollte verheiratet sein. Auch das Lebensalter ist definiert und liegt bei Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, Männer dürfen nicht älter als 55 Jahre sein. Bei bis zu drei Therapieverfahren übernimmt die Krankenkasse 50 Prozent der Kosten. Der Eigenanteil der Insemination liegt bei etwa 250 Euro, bei der Befruchtung bei etwa 2000 Euro. Der Landtagsbeschluss soll die finanzielle Hürde senken, „und das ist auch gut so“, erklärt Christian Gnoth. Denn wer nicht zu den gesegneten Paaren gehört, die bloß die Verhütung weglassen und anschließend problemlos schwanger werden, sondern die medizinischen Methoden des Professors in Anspruch nehmen müssen „sollten nicht zu früh aufgeben“. Kinderwunsch ist meist erfüllbar, die Erfolgsquote bei sechs Therapiezyklen liegt bei 75 Prozent, nach drei Zyklen liegt sie bei etwa 30 Prozent.

„In den vergangenen 15 Jahren gab es gravierende Änderungen“, um ungewollt kinderlosen Paaren bei der Erfüllung ihres Wunsches behilflich zu sein. Bei der Inanspruchnahme zur Verfügung stehender endokrinologischer Mittel rangieren deutsche Paare bislang im weltweiten Vergleich im unteren Drittel. Spitzenpositionen nehmen Japan und Israel ein. Durch die jetzt im NRW-Landtag beschlossene Förderung für mehr Reproduktionsmedizin könnte die Geburtenzahl steigen. Denn viele Paare fassten bislang aus Kostengründen keine medizinische Maßnahme ins Auge, andere lösten dafür Ersparnisse auf. Seitens der Politik und angesichts des demografischen Wandels mag die jetzt angenommene steigende Geburtenzahl durchaus gewollt sein. Die Entscheidung, medizinische Hilfe aus der Kinderwunschpraxis in Anspruch zu nehmen, muss jeder selbst treffen. „Ich berate nicht in der Lebensplanung. Das muss jeder selbst wissen“, beschreibt Christian Gnoth.

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