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Grevenbroich: Reise zum Mittelpunkt von Grevenbroich

Grevenbroich : Reise zum Mittelpunkt von Grevenbroich

Heute vor 185 Jahren wurde der Schriftsteller Jules Verne geboren. Die NGZ hat dies zum Anlass genommen, sich auf "Die Reise zum Mittelpunkt von Grevenbroich" zu machen – in Anlehnung an Vernes "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde".

Heute vor 185 Jahren wurde der Schriftsteller Jules Verne geboren. Die NGZ hat dies zum Anlass genommen, sich auf "Die Reise zum Mittelpunkt von Grevenbroich" zu machen — in Anlehnung an Vernes "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde".

Die letzten Schritte sind beschwerlich. Der Wind peitscht, kalt, eisig, aber noch sind es ein paar Meter. Der Blick schweift, Gedanken kommen auf. Gedanken wie: Männer sollten Frauen nie sagen "Du bist so schön wie ein Industriegebiet". Das hier ist das Industriegebiet-Ost an einem grauen, kalten Wintertag, und es ist so ziemlich das Gegenteil von allem, was man je in einem Reisekatalog finden wird. Aber auch das hier ist eine Reise. Die Reise zum Mittelpunkt von Grevenbroich. Weil im Gespräch über den großen Jules Verne kürzlich über dessen fantastischen Roman "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" diskutiert wurde. Weil Jules Verne heute vor 185 Jahren das Licht der Welt erblickte. Und weil dies ein schöner Anlass ist, sich selbst einmal auf den Weg zu einem Mittelpunkt zu machen.

Warum also nicht der Mittelpunkt von Grevenbroich? Mancher Schlossstädter sagt ja, dass dies der Mittelpunkt der Erde sei. Also bei der Stadt nachgefragt. Wo ist er eigentlich, der Mittelpunkt von Grevenbroich? Stadtsprecher Andreas Sterken erklärt, dass es verschiedene Ansätze gibt, den Mittelpunkt zu berechnen. "Wir haben ihn als Mittelpunkt eines von Breiten- und Längengraden begrenzten Gebietes berechnet", sagt Sterken.

Noch ganz in Gedanken bei Jules Verne wird der Abenteurergeist ungeduldig. Na, wo ist die Mitte denn nun? "Das Ergebnis ist der Bereich zwischen Alfred-Nobel-Straße, Nikolaus-Otto-Straße, Siemensstraße und Benzstraße im Industriegebiet-Ost. Ausgerechnet! Als Abenteurer kommt sofort der Gedanke: Blöd gelaufen. Es hat schließlich einen Grund, dass Abenteuerromane nie in einem Industriegebiet spielen.

Andererseits: In Jules Vernes 1864 erschienenen "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" klettern Professor Otto Lidenbrock und seine Expedition in den isländischen Vulkan Snæfellsjökull und geraten auf Irrwege. Im Industriegebiet-Ost hingegen ist alles gut ausgeschildert. Immerhin. Also nix wie hin. Mit im Gepäck: eine Grevenbroich-Fahne. Zack, ab damit in den Schnee! So ein Mittelpunkt will schließlich ordentlich markiert sein. Was Neil Armstrong mit einer Fahne auf dem Mond kann, klappt auch hier. Das mit dem großen Schritt für die Menschheit allerdings bleibt besser außen vor. Das mit dem kleinen Schritt aber stimmt. Ganz sicher.

Dass ausgerechnet im Industriegebiet-Ost der Mittelpunkt der Stadt ist, überrascht jedoch. Von wegen "Stadtmitte". Allerdings hat es eine solche streng genommen in den heutigen Stadtgrenzen nie gegeben. Und noch strenger genommen ist dieser Mittelpunkt ein erstaunlich junger: Er gilt erst seit der kommunalen Neugliederung 1975. Der Historiker Thomas Wolff vom Stadtarchiv wirft gerne einen Blick in die Zeit davor. Lange Jahre spielte sich das Zentrum des Lebens meist um Kirche und Rathaus ab. Die beiden Gebäude waren oft auch geografisch der Mittelpunkt eines Gemeinwesens. "Das hat sich mit der zunehmenden Dezentralisierung geändert", sagt Wolff.

Die Spuren der Vergangenheit allerdings sieht man im Stadtgebiet noch heute. Vor allem in den 1975 zusammengefassten Orten: in Alt-Grevenbroich ebenso wie in der Stadt Wevelinghoven, der Stadt Hülchrath mit dem Amt Neukirchen sowie den Gemeinden Gustorf, Kapellen-Hemmerden und Frimmersdorf-Neurath. Die Spuren der Vergangenheit sind dort greifbar. Aber vielleicht ist auch das Industriegebiet-Ost eines Tages ein geschichtsträchtiger Ort — in ferner Zukunft. Und vielleicht spielen Abenteuerromane dann sogar in Industriegebieten.

(NGZ/ac)