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Grevenbroich: Rehe sterben am Kanalzaun

Grevenbroich : Rehe sterben am Kanalzaun

Der von der Stadt an einem Graben errichtete Zaun an der Frimmersdorfer Höhe ist offenbar eine tödliche Gefahr fürs Wild. Jäger holten bereits das dritte tote Reh aus dem Fangrechen am Ende des Kanals – und kritisieren die Stadt.

Der von der Stadt an einem Graben errichtete Zaun an der Frimmersdorfer Höhe ist offenbar eine tödliche Gefahr fürs Wild. Jäger holten bereits das dritte tote Reh aus dem Fangrechen am Ende des Kanals — und kritisieren die Stadt.

Traurige Funde machen Jäger in einem Graben am Fuß der Frimmersdorfer Höhe: "Jetzt haben wir schon das dritte tote Reh aus dem Fangrechen geholt — diesmal ein Kitz", beklagt Joachim Knabben (55) in einer Erklärung der Kreisjägerschaft Neuss. Bereits vor fünf Monaten hatten er und Kurt Edmund Kreuziger aus Garzweiler — ihre Jagdreviere liegen an der Höhe — auf Gefahren nach dem Bau eines Zauns an einem Graben aufmerksam gemacht, den die Stadt vor etwa drei Monaten errichten ließ. "Aus unserer Sicht wird die Gefahr für Mensch und Tier erhöht", so Knabben damals.

Seine damalige Befürchtung sieht er nach den drei toten Rehen bestätigt. Dabei wollte die Stadt mit der Abzäunung gerade die Sicherheit verbessern: Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann bezeichnete den bis zu 60 Zentimeter tiefen Graben mit schnell fließendem Kühlwasser aus dem Kraftwerk Neurath, "eindeutig als Gefahrenstelle". Die Stadt habe die Verkehrssicherungspflicht dort. Zwei Hunde waren bereits in den Graben gestürzt, wurden verletzt. Eine fachliche Expertise riet zum Zaun als Abgrenzung zum Weg daneben — auf 1,7 Kilometern Länge wurde Maschendraht errichtet.

Das Problem aus Sicht der Jäger: Durch Spaziergänger und Freizeitsportler werde Wild aufgescheucht, das über den Hang in die Felder flüchten wolle. "Ein Reh schafft den Sprung über den Kanal, steht dann aber am Hang ausweglos vor dem Zaun", so Knabben gegenüber der NGZ. Nach seiner Vermutung verlieren die Tiere dort "den Halt, fallen in den Graben und ertrinken". Ein "Trampelpfad" am Zaun zeige, dass offenbar viele Tiere in Not seien. "Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht." Auch von der Wegseite sei ein Reh in den Zaun gesprungen und mit gebrochenem Vorderlauf geflüchtet. "Ich habe mit Jagdfreunden nach ihm gesucht, wir konnten es aber leider nicht finden." Knabben geht davon aus, dass es qualvoll verendet ist.

Die Kritik von ihm und Kreuziger: Die Stadtverwaltung habe den Zaun ohne Rücksprache oder Beratung mit ihnen errichtet. Nach den ersten beiden Wildunfällen hätten sie das Gespräch mit der Verwaltung gesucht, um schnelle Abhilfe zu schaffen. Die beiden Jäger ärgern sich darüber, dass die Stadt darauf "bisher nicht positiv reagiert" habe. Bereits im Frühjahr hatte Kreuzigers Sohn Robert, auch Jäger, erklärt, dass eine Abdeckung des Grabens mit Platten oder Holzbohlen günstiger und eine bessere Sicherung sei. "Ein Zaun am Graben macht nur Sinn, wenn er an beiden Seiten installiert wird."

Bürgermeisterin Ursula Kwasny will die Kritik prüfen: "Die Sicherheit für Mensch und Tier muss gewährleistet sein." Die Verwaltung werde mit den Jägern sprechen.

(NGZ/ac)