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Grevenbroich: Rauchverbot verunsichert Wirte

Grevenbroich : Rauchverbot verunsichert Wirte

Wirte halten sich derzeit mit Investitionen in ihre Raucher- und Nichtraucherbereiche zurück. Sie wünschen sich mehr Rechtssicherheit. Die Landesregierung hat angekündigt, das Nichtraucherschutzgesetz weiter zu verschärfen.

So romantisch wie bei Reinhard Mey geht es in Grevenbroichs Kneipen schon lange nicht mehr zu. "Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette", sang der Liedermacher einst. Alleine das Wort "Zigarette" lässt die Wirte verunsichert aufschrecken — wegen des verschärften Rauchverbots.

Auch Nadja Chramzowa, die das Gasthaus "Haus Portz" zusammen mit Ulrich Vogt führt, hadert damit. "Vor drei Jahren haben wir schon einen extra Nichtraucherbereich eingerichtet." Dazu musste ein Raum abgetrennt werden. Kosten: 6000 Euro. "Jetzt müssen wir auch noch einen extra Eingang für Nichtraucher schaffen."

Der Grund: Der Nichtraucherbereich in "Haus Portz" liegt in der ersten Etage. Wer dorthin möchte, muss zunächst durch den Raucherbereich. Doch laut Gesetz dürfen Nichtraucher nicht gezwungen sein, Räume, in denen noch gequalmt werden darf, zu durchqueren — ganz egal, ob beim Betreten der Gaststätte, für Bestellungen oder bei Toilettengängen.

"Es bleibt uns also nur ein komplett neuer Eingang für die Nichtraucher. Ob die Gäste das allerdings mitmachen, ist eine ganz andere Frage", meint Chramzowa. Schließlich würden zwei Eingänge auch eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft verdeutlichen. "Mehr als die Hälfte unserer Gäste raucht", sagt Chramzowa. "Wir leben von den Rauchern."

Ärger gebe es selten. "Ab und an beschwert sich ein Nichtraucher, dass unsere Gaststätte noch nicht komplett rauchfrei ist", sagt Chramzowa. "Aber es gibt auch Nichtraucher, die sich bewusst zu den Rauchern setzen. Oft sagen sie: Da ist es gemütlicher." Ob gemütlich oder nicht — das ist keine Frage, die Wirte und Ordnungskräfte diskutieren. Es ist vielmehr die Unsicherheit, die beide Seiten beschäftigt. Die Wirte beklagen mangelnde Rechtssicherheit. Der Hintergrund: Die Landesregierung hat angekündigt, das Gesetz weiter zu verschärfen. Aus diesem Grund halten sich Wirte mit Investitionen in Raucherbereiche zurück. Für das Ordnungsamt ist es manchmal schwierig, die gesetzlichen Vorgaben zu vermitteln — ohne auf Unverständnis zu treffen.

Ein Beispiel: In Gaststätten, die nur aus einem einzigen Gastraum bestehen, dürfen Wirte das Rauchen erlauben — wenn die Kneipe kleiner als 75 Quadratmeter ist, kein Essen serviert wird und Gäste unter 18 Jahren draußen bleiben. Ingeborg Hacker vom Ordnungsamt weiß, dass dies zu Härtefällen führt. "Ein Wirt, dessen Kneipe nur einen Quadratmeter größer ist, muss das Rauchen verbieten. Das können viele nicht nachvollziehen."

Das Argument der Wirte: Das Gesetz führe zu Wettbewerbsverzerrungen.

(NGZ/rl)