1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Rathaus in Grevenbroich: auf Augenhöhe mit dem Bürger

Team für Bürger- und Ratsangelegenheiten : Auf Augenhöhe mit dem Grevenbroicher Bürger

Das Team für Bürger- und Ratsangelegenheiten kümmert sich um Hinweise und Beschwerden aus der Bevölkerung und macht die Arbeit des künftigen Stadtrates papierlos.

Der Bürger und das Rathaus – das ist eine intensive Beziehung. Manchmal startet sie mit Wut, Zorn und Empörung. Ganz oft kommen aber auch wertvolle Hinweise und kluge Nachfragen – von den Bürgern. Die meisten Eingaben landen bei Sascha Voigt (53): „Ich leite die Themen weiter an die richtigen Fachämter, gebe Feedback und verfolge die Umsetzung“, sagt Voigt. Seine Kollegin Rahel Simoes (29) betreut unter anderem die Ratsmitglieder und sachkundigen Bürger. Sie bereitet sich auf die Veränderungen vor, die die Kommunalwahl am 13. September mit sich bringen wird. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ines Hammelstein (53) und vielen weiteren Kräften im Rathaus hat sie zudem in den zurückliegenden Monaten an einem Großprojekt gearbeitet: Schritt für Schritt soll das Rathaus digital werden: „Wir wollen künftig ohne Papier auskommen.“

Der Bürger ist längst soweit. Zum Beispiel, wenn er mit seinem Handy die entsprechende App für Grevenbroichs Mängelmelder heruntergeladen hat. Schlaglöcher, wilde Müllkippen, marode Geländer – zahlreiche dieser Hinweise kommen, gleich mit Foto, direkt in den Computer von Sascha Voigt. Ob Bürgersprechstunde von Bürgermeister Klaus Krützen, Stadtteilgespräche, Anrufe oder klassische Briefe per Post – bei Voigt laufen viele Stränge zusammen. Und wenn die Bürger dabei über die Stränge schlagen? Dann bemüht sich Voigt zunächst um Ruhe und Sachlichkeit. Dabei kann er auf einen Mix aus professionellem Training und Lebenserfahrung zurückgreifen: „Ich war zuvor bei der Bußgeldstelle. Dort ruft selten jemand an, der nicht sauer ist.“

Die Arbeit hart entlang der Themen hilft Voigt dabei, Emotionen ausblenden zu können. Ja, natürlich gebe es einige Bürger, die regelmäßig zu den mehr als 1000 Eingaben pro Jahr beitragen. Nur bei ganz wenigen würde Voigt vielleicht so weit gehen, sie als „Nörgler“ zu bezeichnen. Aber selbst das darf keine Rolle spielen. Denn an jeder neuen Eingabe kann ja etwas dran sein. Wie auch immer die angemahnten Dinge im Verwaltungsbetrieb weitergehen, eins hat sich Voigt fest vorgenommen: „Jeder bekommt eine Information darüber, was aus einem Hinweis oder einer Beschwerde geworden ist.“ Und vor allem, wenn ein Bürgerdialog mit Gift und Galle durchsetzt sein sollte, „hilft oftmals eine freundliche Mail, die Dinge wieder ins Sachliche zu bringen.“

Das Team für Bürger- und Ratsangelegenheiten hat aber noch eine zweite Zielgruppe: die gewählten Ratsvertreter und sachkundigen Bürger und den Rat, der die Stadt Grevenbroich am Ende in Bewegung hält. Bislang waren dafür pro Ausschuss- oder Ratssitzung große Papierstapel zu bewegen. Verwaltungsvorlagen, Anträge, Antworten, Beschlüsse, Pläne, Protokolle – die Ratsangelegenheiten wurden rasch zu einer schwerwiegenden Materie. Mehr noch: Bis die Verwaltung ein Thema durchdrungen und Lösungsvorschläge erarbeitet hatte, mussten zahlreiche Bäume ihr Leben lassen, um zu Papier verarbeitet zu werden.

Damit ist nun Schluss. „In einem viermonatigen Projekt haben wir es geschafft, die Ratsarbeit auf ein digitales System umzustellen“, sagt Ines Hammelstein. Das war zunächst eine Kopfarbeit. Jeder Arbeitsprozess musste analysiert werden, um anschließend als computergerechter Ablauf digitalisiert werden zu können. Da hatte es Sisyphos mit seinem Stein echt leichter. Nun aber ist die Digitalisierung geschafft, die Rathaus-Mitarbeiter geschult, die Zeit der parallel nebeneinander laufenden Systeme geht zu Ende. „Mit der Ratssitzung im November starten wir in die papierlose Zeit“, freuen sich Ines Hammelstein und Rahel Simoes.

Letztere betreut die Ratsmitglieder. Ihnen werden ab November I-Pads und digitale Stifte zur Verfügung gestellt, um künftig digital Politik machen zu können. Zudem werden die Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker über Rahel Simoes abgerechnet. Wer da am Stammtisch behauptet, dass „die da oben sich ja doch bloß die eigenen Taschen füllen“, der schaue sich die Beträge genau an: 295,30 Euro erhält ein Grevenbroicher Ratsmitglied als Aufwandsentschädigung pro Monat. Plus 20,30 Euro pro Sitzung. Sachkundige Bürger erhalten keine Aufwandsentschädigung und 31 Euro pro Sitzung. So steht es in einer Landes-Verordnung.