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Grevenbroich: "Raketen-Technik" fürs Erdgas

Grevenbroich : "Raketen-Technik" fürs Erdgas

Gemeinsam mit E.ON testet das Gas- und Wasserwerk Grevenbroich ein neues Verfahren. Mit einer Bodenrakete werden neue Leitungen zwischen Keller und Straße geschossen. Ziel: Der Kunde soll sparen.

Ein neuer Gasanschluss fürs Haus ist nicht nur kostspielig, sondern meist auch mit Ärger verbunden. Denn nach altbewährter Methode muss ein Loch an der Hauswand gegraben und ein tiefer Graben quer durch den Vorgarten gezogen werden. Ein Horror für den, der das Umfeld seines Gebäudes mit viel Liebe und noch mehr Geld in Schuss gehalten hat.

Das muss nicht sein, sagt Horst Rüdiger vom Gas- und Wasserwerk Grevenbroich (GWG). Denn sein Unternehmen testet derzeit in Zusammenarbeit mit E.ON eine neue Technik, die künftig stadtweit zum Einsatz gelangen soll: Eine "Rakete", die unterirdisch vom Keller des Hauses zur Straße geschossen wird, soll die Buddelei ersetzen. Der Vorteil: "Die aufwendigen Erdarbeiten fallen weg, damit kommen weniger Kosten auf den Kunden zu – und der Vorgarten bleibt heil", erklärt Rüdiger. Er rechnet damit, dass Hausbesitzer zwischen 30 bis 50 Prozent der Kosten sparen können.

"Für das neue Verfahren ist im Idealfall nur noch ein Loch an der Straße erforderlich, das über eine Kernbohrung aus dem Keller anvisiert wird", erklärt Werner Weßing, Abteilungsleiter der E.ON Ruhrgas. In das Bohrloch (Durchmesser: 100 Millimeter) wird das eingeführt, was der Laie gemeinhin als "Rakete" bezeichnen würde – der Fachmann nennt es nüchtern Bodenverdrängungshammer. Dieses Gerät gräbt sich selbständig aus dem Keller in Richtung Straße vor – im Schlepptau hat es ein gas- und wasserdichtes Schutzrohr, in das später die erforderlichen Leitungen gezogen werden. Innerhalb von 20 Minuten hat der Raketen-Hammer die etwa sechs Meter lange Distanz zurückgelegt und ist an seinem Ziel angelangt – im Loch auf der Straße. Damit kann der Anschluss an die Erdgashauptleitung erfolgen. "Verblüffend schnell", meint GWG-Mann Horst Rüdiger.

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Das Gas- und Wasserwerk testet diese Technik derzeit an drei Häusern in Grevenbroich, Gustorf und Orken. Nach der Test-Phase soll darüber entschieden werden, ob die "Rakete" künftig stadtweit zum Einsatz kommen wird.

Dass sich neue Kunden – die etwa von Heizöl auf Erdgas umsteigen möchten – mit diesem Verfahren gewinnen lassen, liegt für Werner Weßig auf der Hand: "Alleine für die Erdarbeiten und das Wiederherstellen des ursprünglichen Zustandes entsteht den Hauseigentümern ein beträchtlicher Aufwand von mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten – auf Montage und Material entfallen hingegen nur rund rund ein Viertel." Vor diesem Hintergrund würden manche Hausbesitzer auf das Umsteigen verzichten. "Künftig zählt dieses Argument nicht mehr", meint Weßig.

Für die Installation neuer Erdgasheizungen in Altbauten sieht er ein enormes Potenzial: "Bundesweit gibt es rund 4,5 Millionen Wohneinheiten mit einer Erdgasleitung vor dem Haus." Und das könnten die Kunden der Zukunft sein.

(NGZ)