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Grevenbroich: Räuber mit Flasche geschlagen

Grevenbroich : Räuber mit Flasche geschlagen

Als er ihren Kiosk überfiel, schlug Martina Cernjavic-Tussing zu: Die 52-Jährige zog Deutschlands meistgesuchtestem Serienverbrecher eine Flasche über den Kopf. Jetzt steht der Räuber (47) vor Gericht, ihm drohen 15 Jahre Haft.

Als ein bewaffneter Mann am 1. Dezember 2011 den Kiosk an der Rheydter Straße überfiel, ahnte die Polizei noch nicht, mit wem sie es zu tun hatte. Nun wissen die Ermittler: Deutschlands damals meistgesuchtester Verbrecher war auch in Grevenbroich unterwegs. Jetzt muss sich der 47-jährige Thomas F. nach einer Serie von Raubüberfällen und einer Bus-Entführung vor dem Landgericht Frankfurt verantworten.

Der gebürtige Krefelder gilt als Schwerverbrecher. Zwischen 1992 und 2001 überfiel er acht Banken und saß dafür sieben Jahre hinter Gittern. Zwar versuchte es der gelernte Elektroinstallateur danach wieder mit "ehrlicher Arbeit", er wurde jedoch wieder rückfällig. Thomas F. zockte in Spielhallen, machte Schulden. Die Folge: Erneut wurde er zum Serienräuber. Den Anfang machte im August 2011 der Überfall auf eine Bank in Voerde, anschließend folgte eine verbrecherische Tour durch Deutschland.

Anfang Dezember verschlug es ihn nach Grevenbroich. Im Kiosk an der Rheydter Straße bedrohte er eine Aushilfe mit einer Pistole und forderte Geld. "Ich lag nebenan im Schlafzimmer und bin aufgewacht, als ich Stimmen im Verkaufsraum hörte", erinnert sich Besitzerin Martina Cernjavic-Tussing. Die resolute 52-Jährige, die den Kiosk seit 25 Jahren führt, nahm sich eine Glasflasche, die neben ihrem Bett stand, und stellte den Räuber.

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"In dem Moment, in dem mich der Mann mit einer Pistole bedrohte, habe ich ihm die Flasche über den Kopf gezogen", schildert die Frau. Thomas F. ging zu Boden, dort rang die Büdchen-Besitzerin mit ihm um die Waffe. Der 47-Jährige hetzte nach draußen, er flüchtete mit einem Polo, den er zuvor in Sachsen-Anhalt gestohlen hatte. Zwei Tage später überfiel er ein Hotel in Neuss, dann sorgte er in Krefeld und Meerbusch für einen spektakulären Polizeieinsatz: Mit seinem Polo raste der 47-Jährige im Kugelhagel der Polizei durch eine Straßensperre. Eine Woche später kaperte er in Hessen einen Linienbus und beraubte die Fahrgäste. Auch bei dieser Tat entkam Thomas F. wieder der Polizei. Zu Ende war die Jagd erst zwei Monate später: Der Krefelder raste in Schleswig-Holstein in einen Straßengraben und gab auf.

Im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt hat er jetzt ein Geständnis abgelegt, das Urteil soll in den nächsten Monaten verkündet werden. Martina Cernjavic-Tussing bedauert, dass sie nicht als Zeugin nach Frankfurt musste: "Ich hätte gerne gesehen, wie er auf die Frau reagiert, die ihn verprügelt hat."

(NGZ/ac/jco)